Inhalt: Volksbegehren für Artenschutz endet bei Landtagsbeschluss

Volksbegehren für Artenschutz endet bei Landtagsbeschluss

Landvolk und Naturschutz an einem Tisch

Schneeren (os). Bis zu einem Beschluss des bisher verhandelten Inhaltes zum „Niedersächsischen Weg“ durch den Landtag im November-Plenum wird der Naturschutzbund NABU das Artenschutz-Volksbegehren noch weiterbetreiben, dann aber einstellen. Das sagte Landes-Vorstandsmitglied Gisela Wicke bei einem Gespräch auf dem Hof Klingemann, zu dem der Landtagsabgeordnete Sebastian Lechner (CDU) Vertreter von Landvolk und Naturschutz eingeladen hatte. „Solange das noch nicht in Sack und Tüten ist, muss die Gesellschaft aber noch deutlich machen, dass sie das so will und den Druck aufrecht erhalten“, so Wicke. „Ich bin mir ganz sicher, dass es ohne das Volksbegehren keinen Niedersächsischen Weg gegeben hätte.“

Lechner machte deutlich, dass allein die Tatsache der Unterstützung des Gesetzesvorhabens durch die rot-schwarze Koalition für eine erfolgreiche Verabschiedung spreche.

Wie die NABU-Vertreterin auch, wollen die Landwirte gemeinsam etwas für den Naturschutz erreichen. Für den designierten Landvolk-Landesvorsitzende Dr. Holger Hennies ist klar, dass Maßnahmen immer jemanden Geld kosten. Auch Gastgeber Sven Klingemann und Landwirt Fred Arkenberg skizzierten, wie sehr manche Einschränkungen die Bewirtschaftung beschneiden. „Wir haben früher Grünfutter verkauft, jetzt müssen wir selber zukaufen“, sagt etwa Klingemann. Einigkeit besteht auch darin, dass Landwirte diese Einschränkungen vergütet bekommen müssen, daran ließ auch Wicke keinen Zweifel. Das Land stellt für den Niedersächsischen Weg 150 Millionen Euro bereit. Die Landwirte sind sicher, dass mit regional angepassten Aktionen mehr zu erreichen ist, fordern aber die Vergütung des tatsächlichen Aufwandes statt pauschaler Abgeltungen. Entsprechende Verordnungen sollen der anstehenden Gesetzgebung folgen.

Kreis-Landvolk-Chef Volker Hahn lobte, dass Lechner das Vor-Ort-Gespräch imitiert habe. „Lokal klappt die Zusammenarbeit schon ganz gut“, sagte er - und fand Zustimmung von Reinhard Hoffknecht, Vorsitzender des NABU Neustadt. „Was lokal funktioniert und jetzt auch auf Landesebene gelingt, muss nur noch in Berlin ankommen“, so Hahn.

Warum Wölfe das Insektensterben fördern ...

Bis zu 40 Prozent der Weidetiere kommen wegen der Unsicherheit durch die zunehmende Wolfspopulation nicht mehr auf die Weiden. Das schadet auch den Insekten, denn es fehlen massenhaft Ausscheidungen der Nutztiere. „Dazu gibt es auch Untersuchungen“, sagt NABU-Vorstandsmitglied Gisela Wicke. Welche Biomasse das ausmacht, kann sie nicht sagen. Auch wenn sie sich mit der Regulierung von Wölfen durch Abschüsse schwer tut, stellt sie sich nicht klar dagegen. „Ein Pilotprojekt zum Weidetierschutz läuft aber noch“, sagt sie.

Sebastian Lechner - selbst Jäger - kündigte noch einmal die Wolfsverordnung für Niedersachsen an. Die soll klar regeln, unter welchen Voraussetzungen die Raubtiere künftig „entnommen“ werden sollen. „Dazu brauchen wir die Jägerschaft“, ist er sicher. Die hat nach seinen Worten aber Bedingungen, unter anderem anonyme Abschüsse als Schutz vor radikalen Wolfsbefürwortern. Nach einer Änderung des Naturschutzgesetzes sollen Wolfsrudel künftig so lange gejagt werden können, bis häufige Übergriffe auf Nutztiere enden. Laut Lechner muss dazu aber auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze „den günstigen Erhaltungszustand“ erklären.

„Da kann ich nur Beifall klatschen“, sagt Neustadts NABU-Chef Reinhard Hoffknecht. Nach seinen Worten dürfe man den ländlichen Raum auch „nicht mit Zäunen zupflastern. Wir müssen handeln.“

Tierhalter Fred Arkenberg dauert das alles zu lange. „Es ist traurig, dass die Bauern da so lange allein gelassen werden“, moniert er. „Wenn wir beginnen müssen, Rinderherden zu schützen, haben wir ein anderes Land hier“, macht er mit Blick auf aktuelle Fälle im Bereich Burgdorf mit fast täglichen Rissen deutlich.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1125 vom 03.10.2020