Inhalt: Corona-Krise: Häusliche Gewalt steigt, die Anrufe sinken aber

Corona-Krise: Häusliche Gewalt steigt, die Anrufe sinken aber

„Schockstarre“ löst sich langsam, Dunkelziffer erheblich

  • Jenni Vogt von der Frauenberatungsstelle (v.li.), KED-Leiter Jürgen Winkler, Klaus Borck von der Jugendhilfestation und die Gleichstellungsbeauftragte Sabrina Kunze am Tisch.   Foto: MaibaumJenni Vogt von der Frauenberatungsstelle (v.li.), KED-Leiter Jürgen Winkler, Klaus Borck von der Jugendhilfestation und die Gleichstellungsbeauftragte Sabrina Kunze am Tisch. Foto: Maibaum
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Neustadt (tma). Kontaktbeschränkungen, die Schließungen von Schulen und Kitas sowie Existenzängste stellen viele Menschen vor Herausforderungen im Familienleben. „Es muss [...] davon ausgegangen werden, dass Frauen und Kinder mehr von häuslicher Gewalt bedroht werden und es schwieriger ist, Hilfe zu suchen“, so Jenni Vogt von der Frauenberatungsstelle.

Deswegen hat sich der „Runde Tisch gegen häusliche Gewalt“ - mit Mindestabstand - zusammengefunden, um dieses Problem anzugehen. Der Leiter des Kriminalermittlungsdienstes (KED)Jürgen Winkler kann die These mit Zahlen untermauern: „Erst sind die Zahlen kurz eingebrochen, jetzt nehmen sie erst wieder auf Normalniveau zu - die Dunkelziffer ist erheblich.“ Deswegen empfiehlt er auch Nachbarn und Freunden, genau nach „auffälligen Schreien“ zu hören und die Polizei zu rufen.

„Gewalttätige Menschen hören in Zeiten der Unsicherheit nicht auf, gewalttätig zu sein“, vermutet Vogt. „Die Lage erscheint für Betroffene aussichtslos.“ Der Teamleiter der Jugendhilfestation, Klaus Borck, warnt davor, zu polarisieren. „Gewalt entsteht auch schleichend - gerade in Familien die erziehungsschwach sind.“ Die Pandemie sei eine begünstigende Situation, auch für sinkende Anrufe hat er eine These parat. „Meine Theorie ist, dass Isolation lähmt. Die Unsicherheit äußert sich verschieden, löst aber eine Schockstarre aus“, so Borck. Gerade Kinder seien betroffen, weil man ihnen nicht so viel zumuten könne, wie Erwachsenen.

Um auf Hilfsmöglichkeiten und Notrufnummern aufmerksam zu machen, hat der „Runde Tisch“ mehrere hundert Plakate gedruckt und in Kitas, Geschäften und anderen Einrichtungen aufgehängt.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1106 vom 23.05.2020