Inhalt: Chinesische Delegation nimmt sich Dorfentwicklung zum Vorbild

Chinesische Delegation nimmt sich Dorfentwicklung zum Vorbild

Sechs Chinesen aus der Provinz Anhui besuchen Hagen

  • Landplaner Liu Rui mit Frank Hahn, dem Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft Hagen.   Foto: MaibaumLandplaner Liu Rui mit Frank Hahn, dem Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft Hagen. Foto: Maibaum
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Hagen (tma). Die chinesische Provinz Anhui macht nur 1,45 Prozent der Fläche der Volksrepublik aus - dennoch ist sie mit 139.400 Quadratkilometern fast dreimal so groß wie das Land Niedersachsen. Doch die Delegation um den stellvertretenden Direktor des Landesvermessungs- und Planungsinstitutes Anhui, Liu Rui, interessiert sich besonders für den kleinen Maßstab und besuchte das Mühlenfelder land als Beispiel eines positiven Dorfentwicklungsprozesses.

„Auf dem Land herrscht in China noch viel Armut“, erklärt Frank Hahn vom Arbeitskreis Dorferneuerung. „Das sind landwirtschaftliche Strukturen wie bei uns vor dem Ersten Weltkrieg.“ Besonders beeindruckt hat den Chinesen Liu Rui und seine Begleiter die Struktur von Hagen, sagt er durch einen Dolmetscher. „Die Dorfgemeinschaft hat viele Möglichkeiten für Kommunikation geschaffen. In China wird Wohnen und die Arbeit nicht so klar getrennt, hier gibt es in der Dorfmitte soziale Treffpunkte.“

Gemeint war wohl auch die Kinderkrippe „Storchennest“ mit einem Schulungsraum im zweiten Stockwerk. Das Gebäude ist ein renoviertes Fachwerkhaus von 1893. Rui leuchteten die Augen, als er den Umbau des alten Hauses lobte: „Um solche Ideen zu lernen, sind wir hier, damit wir unsere Dörfer besser ausbauen.“ Eine weitere Faszination der Volksrepublikaner ist die ehrenamtliche Arbeit in Hagen. Martin Gottwald vom Landwirtschaftsministerium Niedersachsen erklärt die Reaktion mit einer anderen Arbeitsfolge. „Hier stößt das Ehrenamt zuerst ein Projekt an, das Land kommt dann dazu.“ In China sei das genau andersherum, die freiwillige Arbeit schätze man hoch, es sei jedoch nicht etabliert, diese überhaupt zu starten.

Die Gäste dachten kurz vor ihrer Abreise schon über den Gegenbesuch nach. Einladen wollen sie auch Menschen aus dem Mühlenfelder Land. Für Frank Hahn wäre das nicht der erste Aufenthalt im Reich der Mitte: „1986 waren wir quasi als Pioniere mit dem Niedersächsischen Blasorchester in China“. Damals habe er jedoch noch wesentlich mehr Haare auf dem Kopf gehabt.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 2389 vom 02.10.2019