Inhalt: Bildungslandschaft West weiter in der politischen Warteschleife

Bildungslandschaft West weiter in der politischen Warteschleife

Schulleiterin möchte endlich eine Entscheidung - egal welche

  • Schulleiterin Sigrid Bierwirth (v.re.) machte ihren Unmut über die Absetzung auch gegenüber Bürgermeister Uwe Sternbeck und Stadtrat Maic Schillack Luft.   Foto: SeitzSchulleiterin Sigrid Bierwirth (v.re.) machte ihren Unmut über die Absetzung auch gegenüber Bürgermeister Uwe Sternbeck und Stadtrat Maic Schillack Luft. Foto: Seitz
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Neustadt (os). Sigrid Bierwirth stand am Donnerstag im Foyer des Ratssaals und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Die Leiterin der Michael Ende Schule weinte aus Enttäuschung - und aus Wut. Beides liegt in der Absetzung eines Tagesordnungspunktes begründet, von dem sie und ihr Kollegium gehofft hatten, dass endlich ein Beschluss gefasst würde. Erst am Mittwoch im Schulausschuss und am 19. September in der Ratssitzung. Inhalt: die „Bildungslandschaft West“. Dieses Konzept soll die Zukunft des Standorts in Bezug auf Kindertagesstätten und Schule auf den Weg bringen - vor allem auch räumlich. Gerade da ist Zeitnot gegeben. „Die Sporthalle der Ahnsförth-Schule wird die nächste sein, die wir aus dem Betrieb nehmen müssen“, sagte Bürgermeister Uwe Sternbeck am Rande der Sitzung. Mit schneller Abhilfe ist aber vorerst nicht zu rechnen. „Ich weiß nicht, woher wir noch die Motivation nehmen sollen, daran weiterzuarbeiten“, so die konsternierte Pädagogin.

Grund für die Absetzung war der entsprechende Antrag von UWG und Grünen. Die hatten bemängelt, das Thema sei nicht wie geplant im Ortsrat beraten worden. Auf der Tagesordnung von dessen Sitzung am Mittwoch vergangener Woche hatte die entsprechende Drucksache nicht gestanden. Ortsbürgermeister Johannes Laub (CDU) ist gleichzeitig Schulausschuss-Vorsitzender, er fehlte in der Sitzung des Gremiums entschuldigt. Das brachte Sigrid Bierwirth ebenfalls auf.

Einzig Stefan Porscha, als Ortsbürgermeister von Schneeren mit Schulinteresse im eigenen Ort beim Ausschuss, hatte als einziger CDU-Vertreter den Mut, sich der Kritik von Bierwirth zu stellen. Betreten schweigend hörte er sich ihre deutlichen Vorwürfe an.

Willi Ostermann war der nächste, dem die Schulleiterin die Leviten las. „Sie hatten 365 Tage Zeit, sich zu informieren“, hielt Bierwirth ihm vor. Der UWG-Sprecher betonte jedoch, dass nicht fehlende Informationen, sondern die formell nicht erfolgte Ortsrats-Beteiligung Grund der beantragten Absetzung gewesen sei. Gegenüber der Neustädter Zeitung legte Ostermann am Folgetag nach. Die SPD müsse jetzt nicht so tun, als ob ihr das Thema wichtig sei, nachdem sie mehr als zehn Monate lang mit dem ehemaligen Gruppenpartner CDU die Behandlung wegen „Beratungsbedarfs“ verzögert habe.

Laub versuchte am Donnerstag, der Verwaltung den schwarzen Peter zuzuschieben. „Ich habe Signale aus mehreren Parteien gehabt, dass das Thema nicht beratungsreif sei“, sagte er. Bei entsprechender Dringlichkeit hätte der Bürgermeister aber trotzdem für die Aufnahme in die Tagesordnung sorgen können. Die Enttäuschung von Sigrid Bierwirth versteht er grundsätzlich, will ihr aber schon am Freitag gesagt haben, dass es wohl zu einer Absetzung komme. Bierwirth bestreitet das.

Die CDU hat inhaltliche Probleme mit der „Bildungslandschaft West“, das ist kein Geheimnis (siehe Kasten). Der formalistische Antrag von Ostermann und Grünen-Vertreter Dominic Herbst war laut Sternbeck aber unnötig. „Der Ortsrat muss hier nur angehört werden“, sagte er. Der Ausschuss hatte sich trotzdem knapp mit 8:7 Stimmen für die Absetzung ausgesprochen.

Die Lehrerschaft wünscht sich laut Bierwirth endlich Planungssicherheit. Sie möchte eine Entscheidung, um mit ihrem Kollegium für die Zukunft planen zu können. „Alles ist besser als der jetzige Zustand.“

Keinen Blankoscheck ausstellen

Den Christdemokraten fehlt laut Johannes Laub ein mehrfach gefordertes Verkehrskonzept zur Bildungslandschaft West, sie haben aber vor allem grundsätzliche Bedenken. „Wir wollen keinen Blankoscheck für ein Millionen-Projekt, sondern ein durchdachtes Konzept“, so der Ortsbürgermeister und Schulausschuss-Vorsitzende.

Konkreter wird sein Rats-Fraktionschef Sebastian Lechner: „Das genaue Konzept der Bildungslandschaft West kennen wir nicht.“ Für die Fraktion seien viele Fragen offen geblieben, vor allem auch in Bezug auf eine Kita im Bereich Hüttengelände. Die will die CDU vor Ort, statt als konzentrierte Großeinrichtung am Ahnsförth. Für ihn liegen die „Kommunikationsprobleme“ in der Infopolitik von Stadtrat Maic Schillack begründet. Der Dezernent sei es im Übrigen auch, der seit sechs Monaten nicht - wie beauftragt - in Sachen Sanierung der Sporthalle mit Landesmitteln tätig werde. „Wir wollen an der Michael Ende Schule investieren“, betont Lechner und kündigt eine kurzfristige Einladung an Bierwirth in die Fraktion an.

Die Schulleiterin würde die annehmen, zumal das Kollegium von den ursprünglichen Plänen zur Bildungslandschaft ohnehin nicht mehr komplett überzeugt ist.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1070 vom 14.09.2019