Inhalt: Einschulung: Zum sicheren Schulweg können alle beitragen

Einschulung: Zum sicheren Schulweg können alle beitragen

  • Perfekt gemacht: An den gelben Füßen kurz stehen geblieben und dann die Straße überquert.Perfekt gemacht: An den gelben Füßen kurz stehen geblieben und dann die Straße überquert.
  • Falsch gemacht: Ein Vater hat sein Auto so - und auch noch verbotenerweise - geparkt, dass die Sicht von den gelben Füßen aus eingeschränkt ist. Für die Eltern, die auf der falschen Straßenseite halten, gilt die gleiche Bewertung.  Fotos: SeitzFalsch gemacht: Ein Vater hat sein Auto so - und auch noch verbotenerweise - geparkt, dass die Sicht von den gelben Füßen aus eingeschränkt ist. Für die Eltern, die auf der falschen Straßenseite halten, gilt die gleiche Bewertung. Fotos: Seitz
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„VERKEHRt - von kleinen Königen und großen Irrtümern“ - in dieser Serie von Stadtverwaltung, Polizei und Neustädter Zeitung werden immer samstags grundsätzliche Verkehrsthemen behandelt, die aber nicht immer jedem klar sein dürften. Da es auch um konkrete „Problemfälle“ gehen soll, werden Anregungen gern unter dem Stichwort „VERKEHRt“ per E-Mail an redaktion@neustaedter-zeitung.de entgegengenommen.

Autofahrer aufgepasst, die ABC-Schützen kommen: Einige hundert junge Neustädter starten am heutigen Samstag in einen neuen Lebensabschnitt.

Während sich die Kleinen mit bunter Schultüte und großem Schulranzen gespannt auf den Weg machen, sorgt der bevorstehende Schulalltag bei Eltern und Großeltern für die eine oder andere Sorgenfalte.

Wie kommt mein Kind sicher zur Schule? Ist meine Tochter in der Lage selbstständig am Straßenverkehr teilzunehmen? Sollte ich meinen Sohn täglich mit dem Auto zur Schule bringen? Diese und ähnliche Fragen sollen eigentlich bereits vor der Einschulung geklärt sein.

Vorher eine kurze Momentaufnahme: Stockhausenstraße in Höhe der Grundschule, Donnerstagmorgen ab 7.30 Uhr. Erster Tag des neuen Schuljahres. Die ersten Schüler kommen auf den Schulhof - viele von ihnen werden mit dem Auto gebracht. Väter und Mütter parken, wo sich gerade Platz bietet. Auf der falschen Fahrbahnseite ebenso wie in zweiter Reihe. Elterntaxis waren schon Thema bei VERKEHRt, heute geht es um etwas anderes: Gelbe Füße markieren den Punkt, an dem die Fahrbahn eigentlich überquert werden sollte. Innerhalb von rund 15 Minuten nutzen gerade vier Kinder diesen Hinweis. Alle anderen laufen, meist angeführt von ihren Eltern, zwischen den Autos über die Fahrbahn. Aus einem Grund mag man es ihnen nicht verdenken: Eines der Elterntaxis ist halb auf der Sperrfläche vor der Verkehrssicherung abgestellt und versperrt damit auch noch die Sicht für Kinder, die sich an die Empfehlung halten.

Vorbereitung ist alles: Das gilt auch für den Schulweg. Eltern wird daher empfohlen, den Weg zur Schule gemeinsam mit ihrem Nachwuchs häufiger zu üben. „Nach kurzer Eingewöhnungszeit sind Kinder dann durchaus in der Lage, den Schulweg allein oder in Kleingruppen zu bewältigen“, rät Kontaktbeamtin Pamela Hoffmann von der Neustädter Polizei. „Grundsätzlich sollte der Nachwuchs dies immer tun, wenn der Weg gefahrenarm und nicht zu lang ist. Schließlich hat die selbständige Bewältigung des Schulweges eine Reihe von positiven Effekten auf die kindliche Entwicklung. Dazu zählen unter anderem eine höhere Konzentrationsfähigkeit im Unterricht, eine gesteigerte körperliche Fitness, der Abbau von eventuellem Übergewicht sowie - durch einen gemeinsamen Schulweg mit anderen Kindern - die Verbesserung des Sozialverhaltens. Gleichzeitig würde sich dadurch auch noch das Verkehrsaufkommen vor den Schulhöfen und allgemein auf den Straßen verringern.

Die Sorge der Erwachsenen vor Straftaten und Verkehrsunfällen ist zwar grundsätzlich nachvollziehbar, sie entspricht aber zumeist nicht der Realität. Nicht jede vermeintlich gefährliche Situation ist es in der Realität auch. Gleichwohl ereigneten sich in den vergangenen vier Jahren 16 Schulweg-Unfälle im gesamten Neustädter Land.

Natürlich sind Kinder im Straßenverkehr gehandicapt. Sie werden aufgrund ihrer geringen Körpergröße schlechter gesehen und lassen sich schneller ablenken. Sie haben kürzere Beine und brauchen daher länger, um eine Fahrbahn zu queren und können Gefahren im Straßenverkehr schlechter einschätzen. Dennoch sollte es das Ziel sein, dass wieder mehr Kinder zu Fuß, mit dem Tretroller, dem Fahrrad oder dem Bus zur Schule kommen.

Übrigens: Nicht immer ist der kürzeste auch der sicherste Weg zur Schule. Ein kleiner Umweg kann sich lohnen. Im Neustädter Land helfen auf die Gehwege aufgesprühte, gelbe Füße dabei, einen bewährten und grundsätzlich eher gefahrenarmen Weg zur nächsten Grundschule zu finden.

Keine gute Alternative ist es, das Kind täglich mit dem eigenen Auto direkt vor die Schultür zu fahren. So genannte „Elterntaxis“ tragen nicht dazu bei, das selbständige und sichere Verhalten von Kindern im Straßenverkehr zu fördern, sondern sorgen stattdessen immer wieder für zusätzliches Gefährdungspotenzial auf dem Schulweg und vor den Schulen.

Verkehrsverstöße vor Schulen, insbesondere von Eltern der dortigen Schüler, werden von der Polizei und der Stadtverwaltung immer wieder festgestellt und punktuell geahndet.

Für die neu gestarteten Schüler bietet Neustadts Polizei-Kontaktbeamtin Pamela Hoffmann den „Fußgängerführerschein für Erstklässler“ an. Die Kinder lernen dabei, wie sie sicher einen Zebrastreifen, eine Ampel und eine Straße ohne Querungshilfe queren. Auch wird kurz auf die Gefahren des toten Winkels und das Ansprechen von Kindern eingegangen.

Dazu die richtigen Tipps für Eltern, um ihr Schulkind fit für den Straßenverkehr zu machen:

- Üben Sie gemeinsam mit ihrem Kind den Schulweg und beginnen am besten bereits im Kindergarten damit.

- Weisen Sie Ihr Kind dabei auf Gefahrenstellen hin.

- Tauschen Sie die Rollen und lassen sich mal von Ihrem Kind zur Schule bringen und lassen sich von Ihrem Nachwuchs auf Gefahren hinweisen.

- Vielleicht kann sich Ihr Kind einer bereits bestehenden Schülergruppe aus der Nachbarschaft anschließen. Gemeinsam fällt der Schulweg leichter.

- Achten Sie auf die Kleidung: Ihr Kind sollte stets helle, gut erkennbare Bekleidung tragen. Reflektoren und Blinklichter erhöhen die Sichtbarkeit ihres Kindes bei Dunkelheit.

Mit der Beachtung dieser Regeln bestehen gute Chancen, dass die Erstklässler, aber auch andere (Grund-)Schüler die Risiken des Straßenverkehrs meistern und damit letztlich alle Verkehrsteilnehmer profitieren. Denn von sicherem Schülerverkehr geht eine erhebliche Wirkung auf das gesamte Verkehrsgeschehen aus.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1066 vom 17.08.2019