Inhalt: Standortfrage: „Kleine“ Mehrheit will eine Schulneugründung im Ort

Standortfrage: „Kleine“ Mehrheit will eine Schulneugründung im Ort

Nur wenige Eltern kommen zur Bürgerversammlung des Ortsrates

  • Klares Ergebnis: Die meisten Anwesenden stimmten für einen Antrag zur Neugründung der Grundschule Helstorf, allerdings kamen nur wenige Eltern (künftiger) Grundschüler.  Foto: (r).Klares Ergebnis: Die meisten Anwesenden stimmten für einen Antrag zur Neugründung der Grundschule Helstorf, allerdings kamen nur wenige Eltern (künftiger) Grundschüler. Foto: (r).
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Vesbeck/Helstorf (os). Mit einem Votum von etwa 50 Besuchern einer Bürgerversammlung am Dienstagabend will der Ortsrat Helstorf in Sachen Schulstandort aktiv bleiben. Die klare Mehrheit der Anwesenden entschied sich dafür, eine Neugründung der Schule in Helstorf zu beantragen. Nur wenige Teilnehmer sprachen sich dafür aus, die Verlängerung der Außenstelle über Sommer 2021 hinaus - das Ende der laufenden Genehmigung - zu beantragen. Noch geringer fiel die Stimmabgabe für die Option aus, einen gemeinsamen Schulstandort in Helstorf zu fordern.

Die Politiker hatten in der Versammlung diese drei Optionen dargestellt, die sich aus ihrer Sicht bieten. Das Interesse unter den Eltern aus Helstorf, Luttmersen, Vesbeck, Warmeloh und Esperke scheint zu diesem Thema aber nicht übermäßig groß zu sein. Die deutliche Mehrheit der Teilnehmer hat keine Kinder mehr im (nahen) Grundschulalter. „Ich bin für meine noch nicht geborenen Enkel hier“, sagte eine Teilnehmerin. „Ich für meine Urenkel“, ergänzte ihre Sitznachbarin.

Als vierte Option wurde in der Versammlung eine Privatschule ins Spiel gebracht, neben der zeitlichen Dauer bis zur Einrichtung sprachen sich anwesende Eltern aber auch grundsätzlich gegen diese Variante aus.

„Der Ortsrat hat sich einstimmig entschieden, diese Bürgerversammlung durchzuführen“, hatte Ortsbürgermeisterin Silvia Luft (CDU) zu Beginn gesagt. Sie bedauerte, dass bei der Verwaltung Unmut über Art und Weise entstanden war.

SPD-Ortsratsmitglied Hans-Peter Matthies hatte die Neugründungs-Option detailliert vorgestellt und nach eigenen Worten umfangreich recherchiert. Danach steht für ihn fest, dass die Mindestschülerzahl von 24 Kinder pro Jahrgang, von der Dezernentin der Landesschulbehörde bei der jüngsten Schulausschuss-Sitzung als Bedingung genannt, zu umgehen wäre. „Die niedersächsischen Grundschulen haben im Schnitt 19 Schüler“, sagte er. Einen entsprechenden Antrag hält er „nicht grundsätzlich für aussichtslos“. Nach bisherigen Zahlen wird das Minimum nie erreicht.

Die beiden weiteren Optionen wurden in der Versammlung deutlich weniger detailliert vorgestellt. Mit Margrit Lindenmann hatte sich aber eine Zuhörerin mit langer Berufserfahrung in der Landesschulbehörde für die Beibehaltung der Außenstellen-Lösung ausgesprochen.

Viele Fragen drehten sich um die Mindestschülerzahl und wie die geforderte Zehn-Jahres-Prognose erzielt werde. Bereits geborene Kinder sind nach den Zahlen der Stadtverwaltung eingerechnet, die vier noch nicht geborenen Jahrgänge werden von Empirikern nach festgelegten Parametern errechnet. Darin sollen auch künftige Baugebiete berücksichtigt werden. Die derzeit vorliegenden Zahlen hinsichtlich nicht geborener Jahrgänge sind allerdings drei Jahre alt. Eine aktuelle Schätzung wurde gefordert. „Uns wurde schon einmal gesagt, es gäbe nur elf Kinder zur Einschulung und tatsächlich eingeschult wurden dann 22“, hatte Silvia Luft gesagt. Dort setzte auch Ute Bertram-Kühn an. „Was aus den geplanten Baugebieten kommt, wissen wir ja nicht. Da wäre es ein Fehler, die Grundschule zu schließen“, sagt die parteilose Ortsratsvertreterin.

Stadtrat Maic Schillack, das bis Februar 2020 für die Schule geforderte Raumkonzept im Hinterkopf, wollte von den Anwesenden wissen, welche Art von Schule sie sich vorstellen. Von der Wahl zwischen verlässlicher Grundschule, offener oder teilgebundener Ganztagsschule hänge schließlich der Bedarf der Nachmittagsbetreuung ab.

In Sachen gemeinsamer Schulstandort herrschte Skepsis vor. Kritisiert wurde vor allem, dass in Mandelsloh einiges investiert worden sei, in Helstorf aber nur Grundsanierungen stattgefunden hätten. In diesem Punkt ist Luft sicher: „Aus unserer Sicht wurde sich bereits auf Mandelsloh als Standort festgelegt.“ Dafür spräche auch, dass für die Ertüchtigung im Haushalt eingeplantes Geld nun für die „Phase Null“ (siehe Kasten unten) genutzt werden solle. Schillack machte klar, dass ihm wegen der Frist zum Raumkonzept, aber auch als Kämmerer sehr an dieser Planung gelegen ist.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die ursprünglichen Schulschließungspläne seien fast überall vom Tisch, aber im Norden bliebe nach einer Zusammenlegung nur ein einziger Grundschulstandort übrig.

„Die sollen einfach etwas entscheiden, die Aufregung legt sich dann bald“, sagte eine Mutter sichtlich genervt von der Diskussion.

Am Dienstag behandelt der Schulausschuss das Thema ab 18 Uhr im Ratssaal, Nienburger Straße 31. Die endgültige Entscheidung trifft der Rat - voraussichtlich in seiner Septembersitzung.

Phase Null

... ist die Phase der Entwicklung einer zukünftigen Gestaltung der Schule, immer eng verbunden mit der pädagogischen Profilausrichtung und einem tragfähigen pädagogischen Konzept der Bildungseinrichtung, auf dessen Basis ein tragfähiges räumliches Konzept entwickelt wird.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1066 vom 17.08.2019