Inhalt: Nitratwert im Trinkwasser steigt auf 42 Milligramm je Liter

Nitratwert im Trinkwasser steigt auf 42 Milligramm je Liter

Bürgerinitiative kritisiert Wasserverband und Bauern

Neustadt (os). Bei Messungen im März, durchgeführt von einem „unabhängigen Labor“, so teilt der Wasserverband Garbsen-Neustadt (WVGN) mit, sind im Trinkwasser aus dem Wasserwerk Hagen 42 Milligramm Nitrat nachgewiesen worden.

„Dies führt zu Nachfragen, ob aus dem aktuellen Wert eine kritische Entwicklung abgeleitet werden kann. Gleichzeitig werden die Bemühungen des WVGN und der im Wasserschutzgebiet kooperierenden Landwirte in Frage gestellt“, schreibt der kaufmännische Leiter Sebastian Kratz in Bezug auf Veröffentlichungen der „BürgerInitiative nitratfreies Trinkwasser“. Bei Facebook hatten die Aktivisten einmal mehr darauf aufmerksam gemacht, dass die Qualität des Trinkwassers weiter abnehme, dafür aber anhaltend viel bezahlt werden müsse. Ständiger Kritikpunkt bleibt, dass Menschen in den meisten Dörfern des Neustädter Landes weiterhin das WVGN-Wasser mit vergleichsweise viel Nitrat für mehr Geld beziehen müssen, als Bewohner der Kernstadt, Poggenhagens und Suttorfs für das bessere Wasser zahlen, das sie über die Stadtnetze Neustadt beziehen. Die bekommen das Wasser über die Harzwasserwerke, die unter anderem in Schneeren einen nitratarmen Brunnen betreiben, von dem Dorfbewohner aber nichts haben.

Kratz weist einmal mehr auf den erlaubten Grenzwert von 50 Milligramm hin, spricht zudem von ständigen Schwankungen bei den Nitratwerten. WVGN-Tabellen der vergangenen Jahre zeigen, dass der Wert auch schon höher als 42 Milligram lag, etwa 2006, 2009 und 2013.

Der jetzige Anstieg auf 42 Milligramm je Liter hat nach seinen Worten eine temporäre Ursache: „Die Gewinnungsmenge bei einem der beiden nitratarmen Brunnen lässt seit etwa 1,5 Jahren deutlich nach. Entsprechend hat der WVGN einen Ersatzbrunnen gebaut. Nach Suche des geeigneten Standorts und nach Erhalt der Rechte für die Grundstücksnutzung konnte der Bau des Brunnens 2018 umgesetzt werden. Die Fertigstellung hatte sich dann bis März 2019 wegen Nacharbeiten an der Verrohrung verzögert“, schreibt er.

Aktuell erfolge die technische Ausstattung und anschließend die Phase der Inbetriebnahme. Mit der in einigen Wochen zur Verfügung stehenden Wassermenge des neuen Brunnens „wird der bisherige Brunnen außer Betrieb genommen und der Anteil des gering nitrathaltigen Wassers deutlich erhöht“, kündigt Kratz an. Dadurch werde eine Reduzierung des Nitratwertes auf das bisherige Niveau erwartet. Das liegt durchschnittlich bei 39 Milligramm.

„Aussagen zur Qualitätsentwicklung des Trinkwassers sind stets anhand der längerfristigen Wertentwicklung abzuleiten“, hält der kaufmännische Leiter fest. „Es bleibt die Auffassung des WVGN und der beteiligten Behörden, dass die Kooperation mit der Landwirtschaft langfristig einen weiteren Anstieg des Nitratwertes verhindert“, betont er. Das Grundwasseralter von rund 30 Jahren erfordere die Zeit, bis sich die aktuellen Maßnahmen in den Werten widerspiegeln. Diese Auffassung scheinen BI-Vertreter weiterhin nicht zu teilen, bezeichnen die Maßnahmen, die seit weniger als 25 Jahren laufen, als nutzlos.

„Wie mit dem Neubau des Brunnens wird der WVGN auch weiterhin die erforderlichen Maßnahmen durchführen, um die sichere Trinkwasserversorgung auch in Zukunft zu gewährleisten“, verspricht Kratz.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1052 vom 11.05.2019