Inhalt: Blinklichter bedeuten keinen Vorrang für Fußgänger und Radfahrer

Blinklichter bedeuten keinen Vorrang für Fußgänger und Radfahrer

Achtung an der Leinstraße/Marktstraße

  • Viele Autofahrer gewähren Fußgängern und Radfahrern an der Kreuzung Marktstraße/Leinstraße/Schloßstraße Vorrang, obwohl darauf kein Anspruch besteht. Der lässt sich besonders nicht aus den Blinklichtern (rechts oben) ableiten.Viele Autofahrer gewähren Fußgängern und Radfahrern an der Kreuzung Marktstraße/Leinstraße/Schloßstraße Vorrang, obwohl darauf kein Anspruch besteht. Der lässt sich besonders nicht aus den Blinklichtern (rechts oben) ableiten.
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„VERKEHRt - von kleinen Königen und großen Irrtümern“ - in dieser Serie von Stadtverwaltung, Polizei und Neustädter Zeitung werden immer samstags grundsätzliche Verkehrsthemen behandelt, die aber nicht immer jedem klar sein dürften. Da es auch um konkrete „Problemfälle“ gehen soll, werden Anregungen gern unter dem Stichwort „VERKEHRt“ per Email an redaktion@neustaedter-zeitung.de entgegengenommen.

Zielgerichtet bahnt sich ein vom Parkplatz „Zwischen den Brücken“ kommender Fußgänger seinen Weg in Richtung Innenstadt. Bevor er die Fußgängerzone erreicht, muss er auf Höhe des „Restaurant-Dreiecks“ die Schloßstraße/Leinstraße queren. Doch wie verhalten sich Verkehrsteilnehmer an diesem stark frequentierten Knotenpunkt eigentlich richtig? Wer hat Vorrang, wer muss warten? Beobachtungen zeigen schnell, Fußgänger und Radfahrer erzwingen sich immer mal wieder den nicht existenten Vorrang, schimpfen mitunter lauthals, wenn Autofahrer nicht halten.

Am Fahrbahnrand aufgestellte gelbe Blinklichter mit Fußgängerpiktogramm zeigen es den Fahrzeugführern an: Hier ist besondere Vorsicht geboten. Eine unmittelbare Regelungsfunktion haben die Blinklichter indes nicht. Sie dienen vielmehr als Warnhinweis, dass an dieser Stelle vermehrt mit querenden Fußgängern zu rechnen ist. Fakt ist: Wer auf der Schloßstraße/Leinstraße unterwegs ist hat Vorfahrt, Fußgänger und Radfahrer müssen warten.

Ein Freifahrtschein für die Straße nutzende Verkehrsteilnehmer bedeutet das allerdings nicht. Kommt es zu einem Unfall mit einem Fußgänger, haben Autofahrer immer eine Teilschuld. Auf Höhe des „Restaurant-Dreiecks“ sind die motorisierten Fahrzeugführer durch die Blinklichter zudem ausdrücklich davor gewarnt worden, dass sie sich einem verkehrlich sensiblen Bereich mit Fußgängern nähern, indem erhöhte Aufmerksamkeit geboten ist.

Warum an dieser Stelle kein Zebrastreifen angelegt ist, obwohl es einer der am häufigsten von Fußgängern benutzten Verkehrsknotenpunkte im gesamten Stadtgebiet ist? Da nur knapp 70 Meter weiter eine Ampel zur sicheren Straßenüberquerung existiert, ist die Anlegung eines Zebrastreifens an diesem Ort rechtlich nicht möglich. In der Nähe von Ampeln dürfen keine Fußgängerüberwege realisiert werden. Zudem ist dieser Bereich der Schloßstraße/Leinstraße als Tempo 30-Zone ausgewiesen, in welchen Zebrastreifen in der Regel entbehrlich sind.

Obwohl die Vorfahrtregelung auf Höhe des „Restaurant-Dreiecks“ also rechtlich eindeutig geregelt ist, ist bei nicht wenigen Verkehrsteilnehmern eine gewisse Unsicherheit und damit Vorsicht zu bemerken, wenn Fußgänger, Radfahrer und Fahrzeuge an diesem Punkt aufeinander treffen. Doch genau diese Unsicherheit ist ein Grund dafür, dass die Regelung mit den gelben Blinklichtern seit dem Jahr 1982 gut funktioniert und es in diesem Bereich seitdem kaum zu nennenswerten Zwischenfällen gekommen ist - gerade mal zwei Unfälle in zehn Jahren registrierte die Polizei. An kaum einem anderen Verkehrsknotenpunkt im Neustädter Land wird Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) von allen Verkehrsteilnehmern so gut befolgt wie an diesem. Der Paragraph lautet: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Die Sensibilisierung motorisierter Verkehrsteilnehmer durch Blinklichter hat sich auch an anderer Stelle im Stadtgebiet bewährt. An der Bunsenstraße, wo an Schultagen über 1.000 Schüler der Leine-Schule, des Gymnasiums sowie der Berufsbildenden Schulen unterwegs sind, ist vor 25 Jahren ein mehrere dutzend Meter langer Bereich mit Hilfe von Blinklichtern und großen Hinweistafeln ausgestattet worden.

Übrigens gab es an der Bunsenstraße zuvor eine feste Fußgängerampel. Da diese von den Schülern aber nur bedingt angenommen wurde und die Fahrbahn stattdessen im gesamten Bereich zwischen den Schulgeländen unabhängig von der Ampelphase gequert wurde, hat sich die Stadtverwaltung damals dazu entschieden, den tatsächlich von den Schülern genutzten Bereich zur Querung mit Hilfe der Blinklichter und Hinweistafeln zu sichern. Das System funktioniert seitdem erfolgreich.

-os-

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1052 vom 11.05.2019