Inhalt: Wenig Knautschzone, aber auch kaum Bewusstsein für Regeln

Wenig Knautschzone, aber auch kaum Bewusstsein für Regeln

  • Eine Szene, auf die man nicht lange warten muss: Ein Radfahrer fährt stadtauswärts über die Löwenbrücke, auch doppelter Gegenverkehr veranlasst ihn nicht zum Absteigen. Mit dem Motto: „Augen zu und durch“ versuchen immer wieder Radler den Fluss zu queren.	Fotos: SeitzEine Szene, auf die man nicht lange warten muss: Ein Radfahrer fährt stadtauswärts über die Löwenbrücke, auch doppelter Gegenverkehr veranlasst ihn nicht zum Absteigen. Mit dem Motto: „Augen zu und durch“ versuchen immer wieder Radler den Fluss zu queren. Fotos: Seitz
  • Viele Verstöße gibt es auch in der Fußgängerzone.Viele Verstöße gibt es auch in der Fußgängerzone.
Bild von

Neustadt. „Die Situation für Fahrradfahrer in Neustadt ist nicht einfach. Daher bleibt es besonders wichtig, vorsichtig und besonnen zu radeln“, sagt Kontaktbeamtin Pamela Hoffmann. Die Polizeibeamtin und ihre Kollegin registrieren aber oftmals eher das Gegenteil. Trotz deutlicher Sicherheitsnachteile von Radfahrer gegenüber Kraftfahrzeugen steht die Einhaltung von Verkehrsregeln nicht gerade hoch im Kurs.

Ein Radweg darf nur in Fahrtrichtung rechts der Straße benutzt werden - es sei denn, eine Beschilderung ist vorhanden, die den Radweg in beide Richtungen freigibt. Daran halten sich Radler in Neustadt vor allem an der Wunstorfer Straße, an der Landwehr, auf der Löwenbrücke und an der Nienburger Straße nach der Schranke stadteinwärts nicht.

Auf der Löwenbrücke kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen, weil sich Fußgänger und Radfahrer den Weg teilen. Das ist schon eng, wenn es in eine Richtung geht. Bei Gegenverkehr wird der Platz noch knapper, Rücksicht kennen manche Radler trotz falscher Fahrtrichtung keine. Für die falsche Fahrtrichtung werden bei einer Kontrolle 20 Euro fällig, der Kontrolldruck ist aber offensichtlich zu niedrig.

Viele Verstöße gibt es auch gegen das Radfahrverbot in der Fußgängerzone (Marktstraße) zwischen Modehaus Wage und Redekerscher Rats-Apotheke. Von 8.30 bis 18.30 Uhr darf hier nicht in die Pedale getreten werden. „Kinder laufen hier hin und her, Senioren und andere Menschen machen Einkaufsbummel, unübersichtliche Situationen entstehen durch Stände und Aktionen“, sagt Hoffmann. Wer erwischt wird muss 15 Euro zahlen. Kontrollen werden auch hier von der Polizei immer wieder durchgeführt, „scheinen aber nur geringe Effekte zu haben“, so die Oberkommissarin.

Bis zum Alter von acht Jahren müssen Kinder mit ihren Fahrrädern den Fußweg benutzen. Auch Mama und Papa oder eine andere geeignete Begleitperson dürfen inzwischen gemeinsam mit dem Kind auf dem Fußweg fahren. Kinder bis zehn Jahre dürfen den Fußweg benutzen. „Angesichts der Straßenverhältnisse ist das sehr zu empfehlen“. Alle anderen dürfen den Fußweg keinesfalls benutzen. Leider fahren immer wieder Menschen auf dem Fußweg, die deutlich über zehn Jahre alt sind. Kostenpunkt: 15 Euro.

Handynutzung auf dem Fahrrad ist ebenfalls verboten. Der einfache Grund: Man ist unaufmerksam, könnte andere Personen anfahren oder vom Weg abkommen und dabei dann gegen einen Baum oder auch gegen ein (fahrendes) Auto prallen. Dieser Verstoß kostet 55 Euro. „Sie benutzten als Radfahrer ein elektronisches Gerät, das der Kommunikation, Information oder Organisation dient oder zu dienen bestimmt ist, in vorschriftswidriger Weise“, heißt das im Ordnungswidrigkeiten-Katalog. Vom Telefonieren hängt es also nicht ab. Wer durch Handynutzung als Radfahrer einen Unfall verursacht, zahlt das Doppelte - zusätzlich zu den Unfallfolgen.

Wenn ein Radfahrer einen Zebrastreifen überqueren will, kann er schieben oder fahren. Für einen fahrenden Radler muss ein Autofahrer allerdings nicht anhalten. Und wer beim Radfahren über den Zebrastreifen in einen Unfall verwickelt wird, ist unter Umständen mitschuldig.

Radler müssen vorhandene Fahrradschutzstreifen (Wunstorfer Straße, Nienburger Straße, Siemensstraße, Königsberger Straße, Lindenstraße) benutzen. Auf diesen Schutzstreifen gibt es so gut wie keine Falschfahrer. Von anderen Fahrzeugen dürfen diese Streifen allerdings nur befahren werden, wenn es nötig ist. „Leider ist zu beobachten, dass Autos häufig den Schutzstreifen ohne Notwendigkeit befahren und Fahrradfahrer nicht an ihnen vorbeikommen“, so Hoffmann. „Gerade die Fahrradschutzstreifen auf der Landwehr und der Nienburger Straße sind kritisch, da hier meist nicht genügend Abstand zwischen Autos und Fahrradfahrern gehalten wird“.

Eine Fußgängerampel ist Fußgängern und Rad fahrenden Kindern bis zehn Jahren vorbehalten. Radfahrer müssen an der roten Pkw-Ampel warten, wenn es keine spezielle Fahrradampel gibt oder eine kombinierte Fußgänger- und Fahrradampel gibt. Beim Überholen von Fahrradfahrern müssen Kraftfahrzeuge einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten. -os-

Wirklichkeitsfremd

Wie wenig sich die Verkehrsführung an den Radfahrern orientiert, zeigt sich allerdings zum Thema Löwenbrücke beim Blick auf die Situation an der Einmündung zum Parkplatz „Zwischen den Brücken“. Hier müssten Radler, die aus der Marktstraße kommen (dorther kommen die meisten), eigentlich die Straßenseite wechseln. An der breitesten Stelle einer Straße, die mit die höchste Verkehrsdichte im gesamten Stadtgebiet hat.

Ebenso an der Realität vorbei: Die Kreuzung Siemensstraße/Wunstorfer Straße, wo auch unabhängig von der noch existenten Behelfsampel die Beschilderung den durch Schülerverkehr höchsten Fahrradfahrerfluss in ganz Neustadt behindert. Ob diese Beschilderung selbsterklärend ist und Schüler sowie andere Radfahrer das so erkennen können, steht dann noch auf einem anderen Blatt. Oliver Seitz

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1049 vom 20.04.2019