Inhalt: Schlechter Start in die Saison

Schlechter Start in die Saison

Das Steinhuder Meer hat weiterhin mit Niedrigwasser zu kämpfen

  • Auf den ersten Blick ist es nicht zu erkennen. Diese Zunge des Steinhuder Meers wurde künstlich geschaffen.  Fotos: HohmannAuf den ersten Blick ist es nicht zu erkennen. Diese Zunge des Steinhuder Meers wurde künstlich geschaffen. Fotos: Hohmann
  • „Der Windhorngraben führt zwar ein wenig Wasser, aber ohne Niederschlag kommt er einfach nicht in Bewegung“, erkärt Gaylord Kurre vom Kreisverband für Wasserwirtschaft (li.).„Der Windhorngraben führt zwar ein wenig Wasser, aber ohne Niederschlag kommt er einfach nicht in Bewegung“, erkärt Gaylord Kurre vom Kreisverband für Wasserwirtschaft (li.).
  • Das Ablasswerk am Meerbach ist nur minimal geöffnet, um ein Fischsterben zu verhindern. Der größte Wasserstandsverlust im Steinhuder Meer ist auf die Verdunstung und den wenigen Regen zurückzuführen.Das Ablasswerk am Meerbach ist nur minimal geöffnet, um ein Fischsterben zu verhindern. Der größte Wasserstandsverlust im Steinhuder Meer ist auf die Verdunstung und den wenigen Regen zurückzuführen.
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Mardof (jh). Der Schock des letzten Sommers sitzt noch tief. Dort wurden am Wilhelmstein gerade mal 95 Zentimeter Wassertiefe gemessen. Boote konnten nicht fahren oder Kapitäne mitten auf dem See auf einer Sandbank aussteigen. Zum Saisonende gab es aufgrund des niedrigen Wasserstands und des Schlamms Probleme beim Einholen der Boote.

Grund genug für die Neustädter Zeitung bei einem Experten nachzufragen: Wie sieht es zu Saisonbeginn mit dem Wasserstand aus? Warum wird das Ablassbauwerk am Meerbach nicht geschlossen und welche Gewässer speisen überhaupt das Steinhuder Meer?

„Insbesondere für Segler droht ein schlechter Start in die Saison, denn es fehlen rund 15 Zentimeter. Der derzeitige Pegelstand liegt bei 37,85 Meter über Normalnull. Normalerweise sollte er zwischen 38 und 38,05 liegen“, erklärt Gaylord Kurre vom Kreisverband für Wasserwirtschaft Nienburg. Doch der Meerbach könne nicht komplett geschlossen werden, da sonst ein Fischsterben wie vor zirka fünf Jahren drohe.

„Außerdem gingen bis August dadurch nur 3,7 Zentimeter verloren, der Rest der 41 Zentimeter Wasserverlust konnte auf die Verdunstung zurückgeführt werden“, so Kurre weiter. Der Mittelwert von 1,35 Metern Wassertiefe und einem Meter an den flacheren Stellen sei derzeit nicht gegeben. „Auch der kontinuierliche Neuschlamm von 40.000 Kubikmetern ist ein Problem, doch die Entschlammung im Hafen- und Badeinselbereich dauert noch an“, erklärt dazu Dezernatsleiter Conrad Ludowig vom Amt für regionale Wasserentwicklung Leine-Weser.

„Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass das, was so schön nach Natur aussieht, eigentlich ein künstlich erzeugter Kulturraum ist“, verdeutlicht Kurre. Nach dem Krieg wurde in den 50er Jahren der Gewässerausbau begonnen, um in erster Linie Wasser für die Landwirtschaft und so die Ernährung der Menschen zu sichern. Also transportieren Gräben, wie der Steimhuder Meerbach, Wasser ab. Doch dass das Regenwasser aus Steinhude beispielsweise nicht direkt ins Meer geleitet werde, liege daran, dass die Qualität gewährleistet seien müsse.„Der Dümmer wird von der Hunte gespeist und hat aufgrund der schlechten Wasserqualität oft ein Algenproblem“, berichtet Kurre.

Die derzeitigen Probleme ließen sich zu 90 Prozent auf den fehlenden Niederschlag zurückführen: Der Banseegraben auf der Mardorfer Seite, also nordwestlich des Steinhuder Meers, führe nicht mehr genug Wasser und so werde nur das Moor rundherum bewässert. Der Windhorngraben wurde zwar extra höher geführt und speise das Steinhuder Meer mit sauberem Wasser aus den Wäldern. Anschließend fließt er in den Winzlauer Grenzgraben, der ins Meer mündet. Doch durch den fehlenden Regen dauere es ewig, bis das Wasser dort ankomme, so Kurre. Außerdem seien die Bäche durch das Moor abgesackt und die Trockenheit habe dazu geführt, dass sich Klüfte gebildet haben und das Wasser unterirdisch ausgelaufen und nicht im See angekommen sei. „Sollte es weiter Hitzesommer mit wenig Regen geben, könnte die natürliche Verlandung des Steinhuder Meers schneller erfolgen, als bisher gedacht“, befürchtet Kurre.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1049 vom 20.04.2019