Inhalt: „Ich habe Menschen radikalisiert“

„Ich habe Menschen radikalisiert“

Aussteiger aus der rechten Szene diskutiert mit Schülern

  • Maik Scheffler berichtet Schülern des Gymnasiums über sein früheres Leben. Foto: TautenhahnMaik Scheffler berichtet Schülern des Gymnasiums über sein früheres Leben. Foto: Tautenhahn
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Neustadt (tau). Rund 200 Schüler der Jahrgänge 10 und 11 des Gymnasiums haben am letzten Tag vor den Osterferien mit dem Ex-NPD-Mann Maik Scheffler über das Leben in der rechten Szene und seinen Ausstieg diskutiert. Scheffler war lange Jahre als Netzwerker aktiv und machte in der sächsischen NPD Karriere, wurde sogar stellvertretender Landesvorsitzender. Den Ausstieg schaffte er mit Hilfe des Projekts Exit Deutschland. Seitdem ist er in der Präventionsarbeit tätig, spricht viel mit Schülern und war bereits das zweite Mal am Neustädter Gymnasium zu Gast.

Er bezeichnet sich selbst als Quereinsteiger in die demokratische Gesellschaft und ist einer von lediglich sieben Aussteigern aus der rechten Szene bundesweit, die öffentlich über ihre Erlebnisse berichten. Er sprach über den Unterschied zwischen Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus und den Trick rechter Agitatoren und Demagogen, die die emotionale Klaviatur beherrschen und bewusst apokalyptische Erzählungen verwenden, um Ängste zu schüren und eine ständigen Abwehr- und Angriffshaltung bei den Menschen zu erzeugen.

Schefflers Fähigkeit bestand im Mobilisieren. So schuf er ein Organisationsnetzwerk in Mitteldeutschland, das zum Teil bis heute existiert. Er trat auch als Veranstalter und Redner auf. „Ich habe Menschen manipuliert und radikalisiert“, gab Scheffler zu, als er von den Schülern gefragt wurde, was denn die schlimmste Tat in seinem früheren Leben gewesen war. Der Alltag in der rechten Szene sei ein Vollzeitjob gewesen, bei dem sich Schulungen, Vorbereitungen und Aktionen ständig abwechselten. „Das Leben im Extremismus ist wie auf der Überholspur. Man ist ständig im Kampfmodus und hat keine Zeit zum Nachdenken“, so Scheffler.

Als Aussteiger musste er in einem langen Prozess erst lernen, zuzuhören. Wie er den Ausstieg geschafft habe, wollten die Schüler ebenfalls wissen. Scheffler verglich das mit einem Drogenentzug, bei dem man verschiedene emotionale Phasen durchmache. Als erstes sei man wütend auf die anderen, die einen angeblich verraten hätten, danach komme die Wut auf sich selbst, gefolgt von Schuldgefühlen und depressiven Schüben. Dies zu überwinden, gehe nur mit professioneller Hilfe. Viele schaffen die Rückkehr in ein normales Leben nicht mehr. Er selbst habe hingegen großes Glück gehabt, ist Scheffler überzeugt.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1048 vom 13.04.2019