Inhalt: Schlechte Wege und fehlende Rücksicht

Schlechte Wege und fehlende Rücksicht

„Parlamentarische Radtour“ deckt Schwachstellen im Radverkehr auf

  • Großes Sorgenkind ist der Weg von Neustadt nach Empede.Großes Sorgenkind ist der Weg von Neustadt nach Empede.
  • Der ADFC hatte zur „Parlamentarischen Radtour“ geladen, so schwangen sich Politiker und Bürger gemeinsam aufs Rad. Foto: KrämerDer ADFC hatte zur „Parlamentarischen Radtour“ geladen, so schwangen sich Politiker und Bürger gemeinsam aufs Rad. Foto: Krämer
  • In den Pausen und dem gemeinsamen Nachgespräch gab es Zeit zum Austausch. Foto: KrämerIn den Pausen und dem gemeinsamen Nachgespräch gab es Zeit zum Austausch. Foto: Krämer
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Neustadt (cck). Risse, Schlaglöcher und Baumwurzeln, die aus dem Boden ragen - bei ihrer „Parlamentarischen Radtour“ durch das Neustädter Land stellten Bürger und Politiker fest, dass sich manche Radwege, wie etwa der an der L191 von Neustadt nach Empede, in einem äußert schlechten Zustand befinden. In der Kernstadt wiederum hört ein Fahrradschutzstreifen an einer Stelle plötzlich auf. Mancherorts gibt es weder Radweg noch Schutzstreifen, etwa an der L383 von Helstorf nach Mandelsloh. Hinzu kommt die fehlende Rücksicht im Straßenverkehr, das mussten die Teilnehmer am Freitag am eigenen Leib erfahren. Wie es im Radwegebau beziehungsweise -ausbau weitergeht, erklärte Geschäftsbereichsleiter Friedhelm Fischer von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr im Gespräch mit der NZ. Sowohl die Maßnahmen zwischen Helstorf und Mandelsloh als auch Neustadt und Empede könnten in einem Jahr umgesetzt werden, so seine Einschätzung. Bei anderen Wegen, etwa von Suttorf nach Basse (L193) und Wulfelade nach Welze (L191) könnte es deutlich länger dauern. Auch auf städtischem Grund tut sich etwas.

„Den haben wir nicht nur gesehen, sondern auch gefühlt“, beschrieb Arne Wotrubez den Radweg zwischen Neustadt und Empede. „Die Strecke ist eine Katastrophe, da sind wir uns einig“, fasste er zusammen. Neben Wotrubez (FDP) wagten mit Christina Schlicker (SPD), Stefan Porscha (CDU), Dominic Herbst (Grüne) und Jürgen Stach (parteilos) vier weitere Bürgermeisterkandidaten den Selbstversuch. Gemeinsam mit Mitgliedern des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und Vertretern der Stadtverwaltung drehten sie am Freitag eine Runde quer durch das Neustädter Land. Vorwiegend sollte die „Parlamentarische Radtour“ dem Austausch dienen, was dabei zur Sprache kam - und auch eigenen Leib festgestellt wurde - war der schlechte Zustand mancher Radwege, aber auch die fehlende Rücksicht im Straßenverkehr.

Vor allem die Strecke in Richtung Empede blieb ihnen in Erinnerung. Diese weise „richtig klaffende Löcher auf“, resümierte Herbst beim Nachgespräch. Großen Handlungsspielraum gebe es allerdings nicht, erklärte Verkehrskoordinator Benjamin Gleue, der ebenfalls mitfuhr. Da es sich hierbei um eine Landesstraße handelt, liegen die Zuständigkeiten beim Land und nicht bei der Stadt (siehe Kasten). Schlicker brachte ein, auch auf Wirtschaftswege auszuweichen und diese gegebenenfalls auszubauen. Doch auch da gibt es das Problem mit den Zuständigkeiten: Gehört der Weg einem Realverband, entscheidet dieser über den Ausbau. Hinzu kommt, so Gleue, dass viele Radwege deutlich schmaler sind, als es die aktuellen Richtlinien vorgeben.

Zurück in der Kernstadt wurden die Teilnehmer mit einem anderen Problem konfrontiert: Der Fahrradschutzstreifen an der Lindenstraße, Höhe Feuerwehr, hört plötzlich auf. Die Teilnehmer waren gezwungen, auf der Straße weiterzufahren. Es dauerte nicht lange, bis der erste Drängler zum Überholmanöver ansetzte. „Denkt mal wie oft ihr an uns vorbeirast“, appellierte Schlicker an ihre Mitfahrer. Zu solchen Situationen komme es nicht nur aufgrund fehlender Rücksicht, sondern oft auch durch Unwissenheit, so Gleue. „Radfahrer machen nicht alles richtig, Autofahrer genauso“, ergänzte Porscha, der als Polizist aus Erfahrung spricht. In einem waren sich Politiker und ADFC einig: Die Tour solle in jedem Fall wiederholt werden, „vielleicht auch mal mit dem gesamten Stadtrat“, schlug Herbst vor.

So geht es mit den Radwegen weiter

Erste Zugeständnisse gibt es bereits von der Stadt, zumindest was den Schutzstreifen an der Lindenstraße anbelangt. Dieser soll nicht nur verlängert werden, „an der Kreuzung Herzog-Erich-Allee wird auch eine Aufstellfläche anvisiert“, sagt der städtische Verkehrskoordinator Benjamin Gleue. Auch die Grünwege im Auenland sollen befestigt werden. Als nächste, größere Maßnahme steht die Sanierung der Herzog-Erich-Allee an, dort sollen dann auch neue Schutzstreifen geschaffen werden.

Für die Radwege an den Landesstraßen gibt es - zumindest für zwei „Baustellen“ im Neustädter Land - gute Neuigkeiten: Laut Geschäftsbereichsleiter Friedhelm Fischer von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr wird derzeit an den Ausführungsplanungen zum Radweg Helstorf-Mandelsloh (L383) gearbeitet, auch mit den Grunderwerbsverhandlungen kann begonnen werden. Nach seiner Einschätzung ist ein Baubeginn in 2020 realistisch, das gilt auch für die Sanierung des Radwegs Neustadt-Empede (L191), der sich momentan in der Ausschreibung befindet. Die SPD-Landtagsabgeordnete Wiebke Osigus erkundigte sich ebenfalls bei der Behörde. „Derzeit gilt noch das aktuelle Radwegekonzept 2016, hier sind die Prioritäten, die mit den Landkreisen und der Region Hannover abgestimmt sind, festgelegt“, erklärt sie. Deshalb sei bei anderen Abschnitten deutlich mehr Geduld gefragt, so auch zwischen Suttorf und Basse (L193) sowie Wulfelade und Welze (L191). „Beide stehen mit etwa 90 weiteren Maßnahmen im weiteren Bedarf“, sagt Osigus. Fischer ergänzt, dass im Geschäftsbereich Hannover aktuell 15 Radwege anstehen, von denen etwa ein bis zwei pro Jahr umgesetzt werden können. „Zu beschleunigen wäre hier nur möglich, wenn die Stadt bereit wäre, Planung und eine Teilfinanzierung zu übernehmen. Fortgeschrieben wird das Radwegekonzept 2021“, so die Landtagsabgeordnete weiter. cck

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 2364 vom 10.04.2019