Inhalt: Kuhkalb Bibi vom Wolfsrudel gerissen?

Kuhkalb Bibi vom Wolfsrudel gerissen?

Weiteres Tier muss eingeschläfert werden

  • Züchter Heiner Kehrbach, Landrat Detlef Kohlmeier und Wolfsberater Hubert Wichmann begutachten den gerissenen Kadaver von Kuhkalb Bibi.    Fotos: KehrbachZüchter Heiner Kehrbach, Landrat Detlef Kohlmeier und Wolfsberater Hubert Wichmann begutachten den gerissenen Kadaver von Kuhkalb Bibi. Fotos: Kehrbach
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Dudensen (sub/os). Vermutlich auf das Konto des Rodelwalder Wolfsrudels geht der Angriff auf zwei Welsh Black Rinder. Am vergangenen Dienstag wurde das fast ein Jahr alte und 300 Kilogramm schwere Kalb Bibi tot auf der Weide entdeckt. Die 28-jährige Sabrina Kehrbach ist entsetzt. „Bibi ist ein Zwillingskalb, das 30 Minuten später als sein Bruder zur Welt kam. Die Mutterkuh hat es nicht angenommen, daher habe ich sie mit der Flasche aufgezogen“, erzählte sie. Bibi lebte im Garten am Haus. „Sie war wie ein Familienmitglied“, erzählt die Dudenserin.

Ihr Vater Heiner Kehrbach ist Hobbyzüchter und Jäger, hält die gutmütigen, schwarzen Rinder seit 30 Jahren. Seine Herde umfasste vor den Vorfällen 15 Tiere. Zusammen mit vier weiteren Jährlingskälbern wurde Bibi am vergangenen Samstag zur 1.200 Meter entfernten Moorweide im Wald getrieben. „Man denkt ja immer, das was passieren könnte. Aber bisher war ja nichts passiert. Bis jetzt“, sagte Sabrina Kerbach traurig. „Ausgerechnet Bibi hat es erwischt. Sie war immer am schmusen und ich habe sie regelmäßig gestriegelt“, erinnert sie sich.

Mit ihrer Freundin Merle Tronnier kontrollierte sie zur Sicherheit am nächsten Tag die Moorweide. Ein weiteres Kalb wurde schwer verletzt in der kleinen Herde entdeckt. „Der Ochse brummte vor Schmerzen und hatte einen sehr schleppenden Gang. Alle Tiere waren total aufgeregt“, erzählte Kehrbach. Dann entdeckte sie die Ursache. Das Weideloch, der After des Rindes, war aufgerissen und blutig. „Man konnte die Beckenknochen sehen. Es muss große Schmerzen gehabt haben“, sagte Kehrbach. Ein hinzugezogener Tierarzt musst das Tier aufgrund der schweren Verletzungen einschläfern.

Der am Dienstag arlamierte Wolfsberater aus Nienburg, Hubert Wichmann, kam mit Landrat Detlef Kohlmeier und einem Fernsehteam auf der Moorweide an. „Das war ein glücklicher Zufall, wenn man so will“, sagte Wichmann. Am Mittwoch wurde im Deutschlandfunk live aus dem Nienburger Blattpavillon eine Diskussion über den Wolf gesendet und im Vorfeld war Wichmann mit dem Team im Landkreis Nienburg unterwegs, um Betroffene zu befragen. „Der Anruf aus Dudensen erreichte uns in Stöckse und wir sind sofort losgefahren“, erzählte der Wolfsberater.

Er nahm Proben, machte Fotos, die er zusammen mit seinem Bericht an das Wolfsbüro in Hannover schickte. Der Kadaver wurde am Mittwochvormittag für weitere Untersuchungen abgeholt. Der Verdacht, dass das Rodelwalder Rudel verantwortlich sein könnte, liegt nahe. Die DNA des Wolfsrüden wurde bei einem Angriff im Herbst identifiziert. Nur etwa 300 Meter Luftlinie trennen die Moorweide und den Milchkuhbetrieb von Matthias Kirchhoff. „Ein Kalb wurde gerissen. Es konnten keine DNA vom Wolf nachgewiesen werden. Doch die Mutterkuh versuchte ihr Kalb zu verteidigen und hatte eine tiefe Bisswunde am Kopf. Hier konnte eindeutig der Rüde des Rodelwalder Rudels identifiziert werden“, berichtete der Wolfsberater. Auch die Kuh musste später eingeschläfert werden.

„Dieses Rudel jagt ortsnah und ist häufig tagsüber gesichtet worden. Aber zwei Nächte in Folge auf der selben Weide ist ungewöhnlich“, sagte Wichmann. Dennoch rät er allen Nutztierhaltern, die Tiere auf Weiden am Hof zu holen oder wenn möglich in den Stall. Rinderhalter müssen keine Schutzzäune installieren, weil bisher davon ausgegangen wurde, dass die Herde an sich Schutz bietet.

Mittlerweile hat das Rudel einige Schäden bei Nutztieren angerichtet. Maßnahmen gegen die Wölfe, die sogar schon in einem Stall und mehrfach dicht an Häusern töteten, lassen aber weiter auf sich warten. Zuständig ist das Umweltministerium in Hannover. „Wir möchten da gern zügig handeln, eine Grenze ist erreicht“, hatte Minister Olaf Lies im Oktober bei einem Gespräch mit dem Borsteler Schafhalter Ingo Spreckelsen im Landtag gesagt, „müssen aber einen rechtssicheren Weg einhalten.“

Die Ergebnisse der DNA-Tests der jüngsten Vorfälle stehen noch aus.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1036 vom 19.01.2019