Inhalt: Den Zauber von Weihnachten verbreiten

Den Zauber von Weihnachten verbreiten

Besondere Aktion kommt doch ohne Händler-Genehmigung aus

  • Die Pflegekräfte Johanna Müller (v.li.), Fatima Dibrani und Heike Lustfeld bekommen kleine Geschenke von den Weihnachtshelfern Finn und Lena.    Foto: SeitzDie Pflegekräfte Johanna Müller (v.li.), Fatima Dibrani und Heike Lustfeld bekommen kleine Geschenke von den Weihnachtshelfern Finn und Lena. Foto: Seitz
Bild von

Neustadt (os). Leise klingeln Schuhglöckchen durch den Flur der Station 63 im Klinikum und verbreiten so etwas wie Weihnachtszauber. Eine Patientin reckt sich so weit, dass sie fast aus dem Bett fällt. Auch wenn die beiden wundersamen Gestalten auf dem Flur nicht für sie gekommen sind, bedeutet die größere der kleineren kurz umzukehren. Sie winken in das Patientenzimmer und setzen ihren Weg still fort. Auf der nächsten Station warten sie geduldig, bis zwei Schwestern die Medikamente sortiert haben. „Eine zusätzliche Kollegin wäre das schönste Geschenk“, hat eine von ihnen gesagt. Trotzdem freuen sich die Pflegekräfte über die Aufmerksamkeiten.

Die beiden „Gestalten“ sind Weihnachtshelfer. Selbst ernannt und selbst organisiert ziehen Mutter und Sohn seit ein paar Jahren eigentlich immer an Heiligabend durch die Innenstadt, geben Menschen, die sie überhaupt nicht kennen, kleine Geschenke. Ob Passanten auf der Straße oder Verkäuferinnen in Geschäften. Schon seit dem Frühsommer wird dafür immer ein bisschen Geld zurück gelegt und auf Materialien im Angebot geachtet. Schließlich sind alle Gaben selbst hergestellt. Schon im Sommer wurden erste Aufmerksamkeiten gebastelt, „das erspart uns manche Nachtschicht, die es bisher meist gab“, sagt Lena.

Schon sechs Jahre ist es her, dass der damals fünf Jahre alte Finn morgens um 4 Uhr am ihrem Bett stand und wissen wollte, wer denjenigen etwas schenkt, die keine Familie haben. Über diese Frage entstand die Idee zu den Weihnachtshelfern, die durch die Stadt ziehen und Kleinigkeiten verteilen.

„Einen Muffel hat man eigentlich jedes Jahr dabei“, sagt Lena, „manche glauben erstmal nicht, dass jemand etwas gibt, ohne eine Gegenleistung zu wollen.“ Die Reaktionen fallen aber fast ausschließlich positiv aus. Genau das ist es, was Finn auch nach sechs Jahren an der Aktion festhalten lässt. „Ich möchte den Weihnachtszauber verbreiten“, sagt er. „Die Reaktionen der überraschten Leute sind das Beste.“ Für Lena hat die Aktion auch einen praktischen Aspekt: „Die Zeit bis zur Bescherung ist perfekt überbrückt.“

Mutter und Sohn verkleiden sich jedes Jahr ein wenig anders. Schminke, unechte Ohren, Kostüme und Ähnliches gehören für sie dazu. Auch einen Schlitten haben sie dabei, gebaut aus einem Kinderwagenuntergestell. Jedes Jahr gibt es ein anderes Geschenk. Alle Aspekte der Aktionen und Anmerkungen hält Finn mit seiner Mutter in einem Notizbuch fest. „Das wird irgendwann mal eine tolle Erinnerung“, sind sich die beiden sicher. Und es soll ihre eigene Geschichte bleiben, „nur wir zwei“, sagt Lena bestimmt.

In diesem Jahr hatte es zunächst nicht gut für das Projekt Weihnachtshelfer ausgesehen. Lena sollte eine Genehmigung als „fliegende Händlerin“ bei der Stadt beantragen müssen. Nach mehreren Schreiben und langen Telefonaten verzichteten Neustadts Verwalter schließlich darauf. Prinzipiell soll das Projekt für dieses Jahr kein Problem sein. „Die behalten sich aber das Recht vor, für folgende Jahre eine Genehmigung zu fordern und wollen sich uns dieses Mal ansehen“, sagt Finns Mutter. Die Neustädter Zeitung wird das Thema im Auge behalten, versprochen.

Durch einen persönlichen Kontakt sind die beiden in diesem Jahr schon am zweiten Advent im Klinikum unterwegs gewesen. Wieder hatten sie selbst gemachte Geschenke dabei. Ihrer Tradition bleiben die beiden treu: Bevor sie an Heiligabend losziehen, sind zwischenzeitlich neue Kostüme entstanden. Auch wenn dann keine Schuhglöckchen in der Innenstadt klingeln sollten, werden Finn und Lena wieder ein wenig Weihnachtszauber verbreiten.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1032 vom 22.12.2018