Inhalt: Berührende Kontakte mit der Bevölkerung, aber auch viele bedrückende Bilder

Berührende Kontakte mit der Bevölkerung, aber auch viele bedrückende Bilder

Auch Feuerwehren aus Neustadt im Einsatz im Katastrophengebiet

  • Kaum zu erkennen im Fluss Olef ist dieser Linienbus. Bedrückende  Eindrücke für die Helfer: Befinden sich darin noch Menschen?   Foto: (r).Kaum zu erkennen im Fluss Olef ist dieser Linienbus. Bedrückende Eindrücke für die Helfer: Befinden sich darin noch Menschen? Foto: (r).
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Neustadt (r/dgs). Bei der Unwetter-Katastrophe leistete auch der erste Zug der Regionsfeuerwehrbereitschaft mit den Ortsfeuerwehren Hagen, Mariensee und Mandelsloh Hilfe im kleinen Ort Schleiden im schwer betroffenen Kreis Euskirchen.

Beim Eintreffen der beiden Züge am vergangenen Samstag waren die örtlichen Rettungskräfte bereits seit Tagen im Einsatz. Dabei war fast jeder auch persönlich von Schäden und Verlusten betroffen. In Schleiden waren bis dahin bereits zehn Tote zu beklagen, wie viele Menschen noch als vermisst galten, hat niemand ausgesprochen. Die Feuerwehr vor Ort hatte ein Einsatzfahrzeug verloren, ihr Gerätehaus war überflutet.

„Gleich am nächsten Tag übernahmen unsere Leute den Grundschutz für den Ort, damit sich die örtliche Feuerwehr ein wenig ausruhen und sich um ihre persönliche Lage kümmern konnte“, berichtet Martina Fachmann, Sprecherin der Neustädter Feuerwehr. Untergebracht waren sie im Ort Herhahn in einem Bürgerhaus. „Die örtliche Feuerwehr und einige Bürger haben sich sehr viel Mühe gegeben, alle zu versorgen“, so Fachmann weiter.

Den ganzen Sonntag über arbeiteten die Kameraden fast 40 Einsätze ab: Vollgelaufene Keller wurden ausgepumpt, mehrere Gasaustritte abgesichert, es brannten Zählerkästen, weil plötzlich wieder Strom da war. Diverse Heizöltanks waren leck geschlagen, hier hatten die Feuerwehrleute aber keine Möglichkeit einzugreifen. Photovoltaikanlagen erzeugten nach Sonnenaufgang wieder Strom und fingen an zu schmoren.

Dabei ergaben sich immer wieder berührende Kontakte mit der Bevölkerung, wie mit einem betagten Ehepaar, das nicht mehr mobil genug war, um sein Haus zu verlassen. „Das Auto des Paares war nicht mehr fahrtüchtig und so wollten sie unbedingt in ihrem Haus bleiben, obwohl sie weder Strom noch sauberes Wasser hatten“, erzählt Fachmann. Die Neustädter stellten fest, dass die beiden evakuiert werden mussten.

Immer wieder habe es aber auch Situationen gegeben, wo Anwohner sich über eine durch die Einsatzfahrzeuge versperrte Straße beschwerten, sagt die Feuerwehrsprecherin. „Häufig waren Helfer und Gaffer nicht gleich zu unterscheiden. Sogar Plünderer waren in den Straßen unterwegs“, so Fachmann.

Bedrückende Eindrücke häuften sich. So fand sich im Fluss Olef ein Linienbus auf der Seite liegend, von dem anfangs nur wenig zu sehen war, man wusste also nicht, ob sich darin noch Menschen befanden. „Im Nachhinein wurde berichtet, dass man glücklicherweise niemanden darin fand, der Bus war offenbar von einem Betriebshof weggespült worden“, berichtet Fachmann.

Diese Eindrücke standen in krassem Gegensatz zur wunderschönen Landschaft der Eifel und wirkten bei allen Helfern nach. „Sie konnten diese Bilder teils gar nicht in Worte fassen“, sagt Fachmann. Die Neustädter hätten gern noch weiter in Schleiden geholfen, aber der Einsatz war von vornherein auf 48 Stunden angesetzt. Sie bedankten sich mit einem großen Plakat für die „tolle Versorgung vor Ort“ (siehe Facebook, Feuerwehr Herhahn-Morsbach).

Um 18 Uhr am Montagabend waren dann alle wieder zurück. „Müde und erschöpft, zufrieden mit der geleisteten Arbeit und nachdenklich über die gewonnenen Eindrücke“, so lautet das Resümee der Feuerwehrsprecherin.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1168 vom 31.07.2021