Inhalt: Feuerwehr und THW helfen im Katastrophengebiet

Feuerwehr und THW helfen im Katastrophengebiet

„Unheimliche Bilder“ im Kopf, aber heile zurück nach Hause

  • Für kleine Pausen standen Matratzenlager in öffentlichen Gebäuden bereit.   Foto: FachmannFür kleine Pausen standen Matratzenlager in öffentlichen Gebäuden bereit. Foto: Fachmann
  • THW-Helfer pumpen eine Tiefgarage aus, an deren Zufahrt noch immer ein Auto steht.   Foto: THWTHW-Helfer pumpen eine Tiefgarage aus, an deren Zufahrt noch immer ein Auto steht. Foto: THW
Bild von

Neustadt/Wunstorf (os). Auch zahlreiche Hilfskräfte aus der Region Hannover waren in den Hochwasser-Katastrophengebieten von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Einsatz.

In der Nacht zu Samstag hatten sich 150 Männer und Frauen der Regionsfeuerwehrbereitschaft I mit 35 Fahrzeugen vom Feuerwehrzentrum Neustadt aus auf den Weg nach Düsseldorf gemacht. Unter ihnen zahlreiche Neustädter, etwa von der Verpflegungseinheit aus Poggenhagen sowie aus Neustadt, Eilvese, Mariensee, Hagen, Mandelsloh und Schneeren. Sie waren so ausgerüstet, dass sie autark arbeiten konnten.

Nach der Ankunft am Messegelände in Düsseldorf wurden die 150 Einsatzkräfte aus der Region gemeinsam mit den Kräften der Landeshauptstadt Hannover und des Landkreises Osnabrück nach Euskirchen geschickt, um dort die heimischen Kräfte abzulösen. „Zwei Züge wurden direkt in der Stadt Euskirchen zum Pumpen und Räumen eingesetzt. Zwei Züge wurden ins 20 Kilometer entfernte Schleiden geschickt, um dort die heimischen Rettungskräfte abzulösen, die teilweise bereits mehrere Tage im Einsatz waren“, sagt Feuerwehr-Pressesprecherin Martina Fachmann. „Insbesondere in Schleiden und den umliegenden Orten konnte man den starken Gegensatz zwischen Idylle im Sonnenschein und größtem Unglück deutlich sehen: Während mancher Straßenzug nichts abbekommen hatte und schick aussah, fand man um die Ecke das große Chaos vor.“ Die Sprecherin berichtet von „ein paar brenzligen Situationen“, in denen auch Leichenfunde erwartet wurden, etwa beim Auspumpen einer Tiefgarage unter einem Kaufhaus. Auch auf solche Fälle waren die Einsatzkräfte vorbereitet, hatten mit dem Eilveser Torsten Dannenberg einen Notfallseelsorger im Team. Einen Kleinbrand galt es auch noch zu löschen.

Obwohl mit eigenen Betten versorgt, kam ein Teil der Helfer für eine Verschnaufpause in einem Bürgerhaus unter, andere in einer Grundschule. Fachmann berichtet von enorm herzlicher und liebevoller Aufnahme durch die örtlichen Helfer und die Bevölkerung.

Nach 48 Stunden machten sich die Feuerwehrleute auf den Rückweg nach Neustadt. Manche hatten die erste Nacht komplett durchgearbeitet. Unheimliche Bilder haben sich vielen ins Gedächtnis gebrannt. Weggerissene Straßen und Gebäude, kilometerweit abgetriebene Autos und überall zerstörtes Inventar an den Wegesrändern. Immerhin kommen - bis auf eine leichte Kopfverletzung - aber alle heile zurück nach Hause.

Bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurde der THW-Ortsverband Wunstorf - dort sind auch zahlreiche Neustädter engagiert - alarmiert, um mit weiteren Einheiten mit der ersten Welle an niedersächsischen Hilfskräften in den von den Unwettern stark betroffenen Regionen zu helfen. Die vier Allrad-LKW, einem Lichtmastanhänger, einer Großpumpe und zwei Anhängern voller Einsatzmaterial waren schnell gefragt. Das übergelaufene Kläranlagenbecken eines Lebensmittelherstellers musste leergepumpt werden, ebenso Tiefgaragen, ein Schwimmbad und weitere Bereiche, die erst danach wieder mit Strom versorgt werden konnten.

„Für viele ist eine Großschadenslage dieses Ausmaßes eine Premiere“, berichtet THW-Sprecher Cedric Schlag, Verbundenheit und Zusammenhalt in dieser Ausnahmesituation nennt er „beispielhaft“.

„Das THW kann leider keine Sach- oder Geldspenden für betroffene Menschen im Schadensgebiet annehmen“, sagt Schlag und verweist auf die Internetseite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1167 vom 24.07.2021