Inhalt: Abschuss eines weiblichen Wolfes aus dem Rodewalder Rudel bei Nienburg

Abschuss eines weiblichen Wolfes aus dem Rodewalder Rudel bei Nienburg

Leitrüde wurde schon im Frühjahr 2019 erfolglos gejagt

Rodewald/Nienburg (tma). Nachdem das Rudel bereits mehrfach in das Visier der Behörden gekommen ist, gab es am Mittwoch einen ersten genehmigten Abschuss. Nach ersten Untersuchungen wurde ein ein- bis zweijähriger, weiblicher Wolf getötet. Eine genetische Untersuchung zur Identifizierung des Wolfs mittels Gewebeprobe wurde eingeleitet. Das Ergebnis über dessen Herkunft wird in den kommenden Woche feststehen. Die Obduktion des Kadavers erfolgt beim Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin.

Seit dem Frühjahr 2018 war es im Territorium des Rodewalder Rudels zu Übergriffen auf Nutztiere gekommen. Dabei hatten Wölfe nicht nur Schafe erbeutet, sondern wiederholt auch Rinderherden angegriffen. Aus den DNA-Analysen und den vorgefundenen Rissbildern ging hervor, dass der Leitwolf des Rudels, der Rüde GW717m, an den Rissereignissen überwiegend beteiligt war. Am 23. Januar 2019 wurde daher erstmalig durch den Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zum Abschuss des Rüden erteilt. Aufgrund ausbleibender Risse wurde die Genehmigung nach dem 31. März 2020 zunächst nicht verlängert.

Entgegen der resultierenden Schadensprognose sind jedoch weitere Vorfälle im Territorium des Rudels aufgetreten, neben Rindern waren dabei auch Pferde betroffen. Nach einer DNA-Analyse seien dabei auch Nachkommen von GW717m beteiligt gewesen. Daher stellte der NLWKN am 17. Juli erneut eine Ausnahmegenehmigung zur Tötung des Leitrüden aus. Die Genehmigung wurde im Dezember verlängert und aus Tierschutzgründen bis zum 15. April befristet.

Die Genehmigung ist auf Teile des Kernterritoriums des Rodewalder Rudels beschränkt. Der Vollzug wird aufgrund der erfolgten Entnahme zunächst ausgesetzt. Für den nun eingetroffenen Fall, dass ein anderer Wolf als der Rüde entnommen wird, sieht die Genehmigung vor, dass bei weiteren Übergriffen sukzessive jeweils ein weiteres Mitglied des Rudels bis zum Ausbleiben der Schäden oder dem Abschuss des Leitrüden entnommen werden.

Seit 2017 bis zum Zeitpunkt der Genehmigungserteilung waren im Territorium insgesamt 82 Schafe, zwei Ziegen, ein Alpaka, drei Ponys, zwei Pferde, 17 Kälber und fünf Rinder zu Schaden gekommen. Die verursachten Kosten - errechnet aus direkten Schäden und Präventionsleistungen - belaufen sich laut NLWKN auf etwa 1,25 Millionen Euro. Die letzten Risse wurden im März aus dem Heidekreis gemeldet. Auch hier wurden GW717m und ein Nachkomme genetisch nachgewiesen.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1152 vom 10.04.2021