Inhalt: Trügerische Idylle: Wie belastet ist das ehemalige Hüttengelände?

Trügerische Idylle: Wie belastet ist das ehemalige Hüttengelände?

  • Noch weiden auf dem Hüttengelände Schafe.   Foto: (r).Noch weiden auf dem Hüttengelände Schafe. Foto: (r).
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Neustadt (dgs). Der geplanten Bebauung des Hüttengeländes zwischen Landwehr und Siemensstraße sieht die Ratsfraktion der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) nach wie vor mit Sorge entgegen. Erneut hat der Fraktionsvorsitzende Willi Ostermann eine Anfrage an Bürgermeister Dominic Herbst gestellt, in der er auch eine großflächige Beprobung des kontaminierten Geländes und ein für die Öffentlichkeit transparentes Verfahren fordert.

Inzwischen sind dem Ratspolitiker aus der Bevölkerung alte Baugrunduntersuchungen aus dem Jahr 1987 für das Baugebiet „Hinter der Hütte“ - heute Parkwiesen - zugespielt worden. Hier weisen Experten bereits darauf hin, dass das Grundwasser in diesem Gebiet chemisch verunreinigt ist, zum Beispiel mit Kohlenwasserstoffen, und hierzu gesonderte Untersuchungen erforderlich seien. Einzelne Bohrlöcher wiesen zudem hohe Schwefelanteile im Grundwasser auf.

Eher zufällig war die UWG darauf gestoßen, dass für die weiteren Bauabschnitte des Hüttengeländes auch ein neuer Investor mit im Boot sitzt. So soll ein Projektentwickler aus dem Landkreis Cuxhaven rund sechs Hektar des Hüttengeländes von Privateigentümern gekauft haben. Laut Ostermann, ist dieser der Ansicht, dass die im Boden gefundenen Schadstoffe gebunden sind, nicht ausdünsten und nicht ausgewaschen werden können.

Während eine Antwort auf die aktuelle Anfrage noch aussteht, hatte der Bürgermeister auf eine Anfrage der UWG im Mai bestätigt, dass derzeit zusammen mit der Neustädter Grundstückserschließungsgesellschaft (GEG) und dem Cuxhavener Projektentwickler ein Bebauungsplan für das gesamte ehemalige Hüttengelände aufgestellt werden soll.

„Die Abstimmungen für den Vorentwurf laufen bereits seit einiger Zeit“, schreibt Herbst damals in seiner Antwort. Bei diesem „vielschichtigen Abstimmungsvorgang“ stehe das „transparente Handeln aller Beteiligten im Vordergrund“, so der Bürgermeister. „Daher sollen die Planuunterlagen umfänglich den politischen Gremien und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, kündigt er an.

Derzeit wird der erste Bauabschnitt „Westlich Heidland“ von der GEG zusammen mit der Projektentwicklung der Hannoverschen Volksbank erschlossen. Nach kurzer Zeit seien alle Grundstücke verkauft gewesen, bestätigte GEG-Geschäftsführer Sven Kanngießer. Die Fläche gilt als am wenigsten belastet und wurde vorher landwirtschaftlich genutzt.

Die angrenzenden Flächen der Industriebrache, auf der einst Eisenerz verhüttet wurde und später eine Teerpappenfabrik stand, gelten als stark kontaminiert. Immer wieder scheiterten Bebauungspläne an der aufwändigen Sanierung des Geländes.

Der Sanierungsplan sei eng mit dem städtebaulichen Entwurf einschließlich der Projektplanung Tiefbau und der Höhenentwicklungsplanung für das Gelände abzustimmen, zumal auch Belange des Arten- und Naturschutzes zu berücksichtigen seien, erklärt der Bürgermeister. Wann der Bebauungsplan in die politischen Gremien kommt, konnte die Stadt gestern noch nicht sagen.

Alles so lassen wie es ist

In einem offenen Brief, ausgehängt am Wanderweg entlang des Hüttengeländes, bitten besorgte Bürger Bauträger und Bürgermeister, das „schöne Hüttengelände“ zu lassen wie es ist - als Rückzugsmöglichkeit für Fledermäuse und Spechte. Auch das „Gift“ im Boden habe bis jetzt niemandem geschadet. Bei einer Sanierung müssten über 2.000 Lkw-Ladungen mit vergifteter Erde durch Neustadt rollen, wird gewarnt. Fraglich sei, ob wirklich alle Altlasten beseitigt werden könnten, so die besorgten Bürger. Sie verweisen auf die Beispiele Riedel de Haen in Hannover und Fulgurit in Luthe.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1127 vom 17.10.2020