Inhalt: Patt im Umweltausschuss: Steht die Biogasanlage Resseriethe auf der Kippe?

Patt im Umweltausschuss: Steht die Biogasanlage Resseriethe auf der Kippe?

  • Die jetzt noch privligierte Biomasseanlage Resseriethe soll eine gewerbliche Anlage werden und ihre Produktion um rund ein Drittel steigern.Foto: Gade-SchnieteDie jetzt noch privligierte Biomasseanlage Resseriethe soll eine gewerbliche Anlage werden und ihre Produktion um rund ein Drittel steigern.Foto: Gade-Schniete
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Schneeren (dgs). Mit einem Patt von 5:5 Stimmen lehnte der Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung (USA) den Bebauungsplan und die Flächennutzungsplanänderung für die Biomasseanlage Resseriethe ab. Was CDU und Grüne als „Schicksalsstunde“ für das Dorf bewerteten, kritisierte die SPD als „ökologisch nicht sinnvoll“ und die UWG findet, dass „sich die Befürworter die Argumente so hindrehen, wie sie gerade passen“. Abschließend entscheidet der Rat.

Schneerens Ortsbürgermeister Stefan Porscha (CDU) erinnerte zu Beginn der Debatte noch einmal an den jahrelangen Streit um das Projekt, der das Dorf spalte. Bereits seit 2005 betreiben drei Landwirte im Dorf die Biomasseanlage an der Resseriethe, die als priviligierte Anlage genehmigt und mehrfach erweitert wurde. Seit 2009 versorgt sie zudem 51 Haushalte mit der Abwärme der Anlage. Dazu wurde eigens eine Nahwärmegenossenschaft gegründet, die ein Leitungsnetz von fünf Kilometern Länge errichtete.

Inzwischen würden sich weitere Haushalte und Betriebe wie auch Grundschule, Kindergarten und Feuerwehr an das Netz anschließen, so Porscha. Daher wollen die Betreiber die Gasproduktion um rund ein Drittel erhöhen und die Anlage in eine gewerbliche Form überführen.

Gegen diese gewerbliche Nutzung sprach sich die SPD vehement aus. Restwärme zu nutzen sei sicher sinnvoll, aber nicht gewerblich, kritisierte SPD-Ratsfrau Christina Schlicker. Für ihre Partei enthalten die Gutachten zur geplante Anlage „eklatante Ungenauigkeiten“ im Hinblick auf die Lärm-, Geruchs- und Verkehrsbelastung. Die Belastungen seien schon jetzt an der Grenze des Erträglichen, so die SPD-Politikerin.

Schließlich war es ausgerechnet der Schneerener Grünen-Politiker Dr. Godehard Kass, der eine Lanze für die konventionelle Landwirtschaft brach. Landwirte müssten unter den gegebenen Rahmenbedingungen arbeiten können. „Biogasanlagen haben Potential“, zeigte er sich überzeugt und appellierte, das Potential auszuschöpfen. Wind und Sonne seien nicht immer verfügbar. Die Anlage Resseriethe könne zwei Dörfer versorgen und spare 170 Tankwagen Öl ein, rechnete er vor. Nach Vorstellung der Grünen sollte Schneeren ein Bio-Energiedorf werden - mit einem Wärmenetz 4.0 und 100 angeschlossenen Haushalten. „Rot-Grün hat das Modell begonnen“, erinnerte Kass - und jetzt würde die SPD der Nahwärmegenossenschaft den Teppich unter den Füßen wegziehen.

UWG-Ratherr Peter Hake zeigte sich erstaunt, „wie man den Klimaschutz missbrauchen kann“. „Die Befürworter ignorieren die Mais-Transporte und tun so, als würden die Traktoren und Lastkraftwagen kein Co2 ausstoßen“. Gerade die Grünen würden sich an anderer Stelle hinstellen und Fahrverbote fordern. Das und vieles andere passe nicht. Deshalb werde die UWG sowohl im Verwaltungsausschuss als auch im Rat den Vorlagen nicht zustimmen, so Hake.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1115 vom 25.07.2020