Inhalt: „... wenn mir plötzlich bewusst wird, dass ich Bürgermeister bin“

„... wenn mir plötzlich bewusst wird, dass ich Bürgermeister bin“

Dominic Herbst 100 Tage im Amt - viele besondere Momente

  • Der höhenverstellbare Schreibtisch ist mit Dominic Herbst im Bürgermeisterbüro eingezogen. Er steht zwischendurch gern mal beim Arbeiten.   Foto: SeitzDer höhenverstellbare Schreibtisch ist mit Dominic Herbst im Bürgermeisterbüro eingezogen. Er steht zwischendurch gern mal beim Arbeiten. Foto: Seitz
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Neustadt (os). 100 Tage sind zu kurz, um einem Amt schon den eigenen Stempel aufzudrücken. Trotzdem wird immer wieder nach einer ersten Bilanz gefragt, wenn diese Zahl erreicht ist. Die Neustädter Zeitung traf sich deshalb zum Gespräch mit Bürgermeister Dominic Herbst, der seit dem 1. November Stadtoberhaupt in Neustadt ist, am morgigen Samstag seit 100 Tagen. Mit 32 Jahren zudem eines der jüngsten in der Region und im Land.

„Den“ besondersten Moment gab es für ihn bisher nicht. „Die Vereidigung war schon besonders, weil sie die große Bedeutung der Aufgabe deutlich macht“. Der erste Tag im Amt war dagegen eher einsam, weil wegen des Brückentags fast alle frei hatten. Termine mit Kindern sind aber immer sehr schön“, hat Herbst festgestellt.

Die größte Umstellung brachte die neue Aufgabe mit dem stark veränderten Tagesablauf. „Der Tag ist jetzt so gut wie immer komplett voll und vergeht auch extrem schnell“, sagt Herbst. Freizeit ist eher knapp bemessen, was auch daran liegt, dass der Bürgermeister sich ein ordentliches Pensum auferlegt, für viele erreichbar sein und ins Gespräch kommen will.

Das stellt gleichzeitig die größte Herausforderung des Amtes dar. „Ich bin jemand, der es möglichst vielen recht machen möchte und alles gern zur Zufriedenheit gelöst sieht“, so das Stadtoberhaupt. „Man muss Abstriche machen“, hat er aber schon erkannt. Dabei sind die ersten Erfahrungen durchweg positiv: „Gerade von den Bürgerinnen und Bürgern bin ich sehr positiv empfangen worden, es gab bisher keine bösen Briefe oder ähnliches. Dafür aber viele gute Gespräche.“

Die meisten großen Projekte laufen bereits, „die muss ich nur weiterbegleiten“, sagt der 32-Jährige. Große Korrekturen sind da meist schwierig, für ihn ist aber klar, dass er künftige Projekte „eher von meiner Art her angehen“ will. Das gilt vor allem für die Kommunikation.

Die Abstimmung mit der Politik läuft aus seiner Sicht sehr gut. Die früher schon abgehaltene „Fraktionsvorsitzendenrunde“ hat Herbst reaktiviert. „Ich möchte die Politiker frühzeitig abholen und mit ins Boot nehmen, gerade wenn ein Thema mal etwas hakelig ist“, so der Bürgermeister. Bei den Mitarbeitern schafft die räumliche Trennung aus seiner Sicht deutliche Probleme, „da hätte ich gern einen direkteren Draht“. Im Oktober hat er mit seinem Vorgänger Uwe Sternbeck die Runde durch alle Dienststellen gemacht, manchen Stadtbediensteten seither aber auch nicht wieder gesehen. „Das neue Rathaus wird da einen deutlichen Fortschritt bringen“, ist Dominic Herbst sicher.

Eine Umstellung bedeutet auch die plötzliche Bekanntheit. „Wenn ich etwas einkaufen fahre, bin ich eben trotzdem Bürgermeister“, sagt der neue Amtsinhaber. „Die Leute kennen mich jetzt so und sprechen mich auch an.“ Dabei ist ihm selbst die Situation nicht immer klar. „Es gehört aber zu den kleinen, besonderen Momenten im Alltag, wenn mir plötzlich bewusst wird, dass ich Bürgermeister bin“, sagt Herbst.

Sobald es etwas beständiger wird, will er fast ausschließlich mit dem Fahrrad von Poggenhagen ins Büro fahren. „Das mache ich auch jetzt schon mal, denn ich ärgere mich immer, wenn ich an der Wunstorfer Straße im Stau stehe.“ Manchmal spielen das Wetter oder nachfolgende Termine aber einfach nicht mit.

Man kann wirklich etwas bewegen

Es klappt nicht immer, aber doch manchmal: „Ich weiß durch meine Mitarbeiter über viele Dinge Bescheid, auch wenn sie nicht direkt meine Aufgabe sind“, sagt Dominic Herbst. Wie bei den Öffnungszeiten der Zulassungsstelle greife er dann auch schon mal zum Telefonhörer und frage nach, ob da nicht doch etwas zu machen sei. „In dem Fall hat das leider nicht geklappt, aber man kann schon einiges bewegen als Bürgermeister“, ist er sicher.

Private Freiräume schaffen ist wichtig

Private Vorhaben sind vorerst weit in den Hintergrund getreten, Dominic Herbst ist aber bewusst, dass er sich dafür zunehmend Freiräume schaffen muss. „Im März habe ich drei Wochen Urlaub, dann werden die Akkus aufgeladen“, sagt er. Sein Lebensgefährtin Denise Bull unterstützt ihn sehr und begleitet ihn auch oft, trotzdem „muss ich zusehen, dass nicht an jedem Abend ein Termin liegt. Da gehören viel Verständnis und gute Absprachen dazu.“

Herbst hat die Kandidatur bisher nicht bereut

„Wenn an einem Wochenende viele Termine sind und man Sonntagabend feststellt, dass in ein paar Stunden die neue Woche beginnt, kann das schon hart sein.“ Selbiges gilt, wenn Herbst nach einem langen Tag zuhause ankommt und „nur noch ins Bett will“. Mit seiner Entscheidung hat er trotzdem noch nicht gehadert. „Ich habe mir das ja so ausgesucht“, sagt er und macht auch nicht den Eindruck, als ob er das Wahlergebnis bereuen würde.

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