Inhalt: Bolzen und Strom statt Gift

Bolzen und Strom statt Gift

Ratten im Erichspark werden jetzt mit neuen Fallen bekämpft

  • Andreas Plate (Mitte) bringt eine der Fallen in der Kanalisation an, Matthis Rabe (re.) und Manfred Weigel sehen interessiert zu.   Foto: SeitzAndreas Plate (Mitte) bringt eine der Fallen in der Kanalisation an, Matthis Rabe (re.) und Manfred Weigel sehen interessiert zu. Foto: Seitz
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Neustadt (os). Das Grundproblem bleibt ein zu großes Nahrungsangebot durch Müll, Essensreste und viel Futter, mit denen Enten vermeintlich etwas Gutes getan wird. Die Stadt geht jetzt aber auch auf neue Weise gegen die Nager vor, die sich im Erichspark auch tagsüber gut sichtbar tummeln.

Wie berichtet hatte Ratsherr Matthias Rabe eine Alternative zur bisherigen Bekämpfung mit Giftködern aufgetan. Die Firma Anticimex aus Hamburg arbeitet mit zwei Fallentypen, die ohne Toxine auskommen. In Kanälen wird eine Röhre eingesetzt, die mit zehn bis 14 Bolzen sowie Wärme- und Bewegungssensoren ausgestattet sind. Registrieren letztere eine Ratte, schießen die Bolzen mit 130 Stundenkilometern hervor und töten das Tier. Anschließend geht das System in die Ausgangsposition und ist sofort wieder scharf. „Elektronisch meldet das System die Auslösungen, wenn zehn Tage lange keine mehr erfolgt, kann man davon ausgehen, dass keine Ratten mehr da sind“, sagt Bereichsleiter Markus Gaßmann von Anticimex. Obwohl Ratten eine hohe Intelligenz zugesprochen wird, belegen Videoaufnahmen, dass selbst eine gerade getötete Ratte weitere Tier nicht vom Passieren der Röhre abhält.

Im Park selbst ist ein zweiter Typ Falle aufgestellt. Die Nager werden durch einen Duftstoff angelockt und dann per Stromstoß getötet. Auch diese Fallen melden erfolgreiche Arbeit in Echtzeit.

Die Vorstellung der Geräte hatte Mitarbeiter der Stadt schnell überzeugt. In einer vierwöchigen Testphase werden fünf von ihnen parallel zu den eigentlichen Fallen eingesetzt. „Wenn das System erfolgreich ist, werden wir es langfristig nutzen“, sagt Siegfried Linek, Leiter des Abwasserbehandlungsbetriebes Neustadt (ABN).

Ein großer Vorteil der Methode liegt laut Gaßmann im Verzicht auf Gift. „Rattengift wurde mittlerweile auch schon in Fischen nachgewiesen“, sagt er. In einem nordeuopäischen Land, für das seine Firma arbeitet, konnte durch die Fallen der Gifteinsatz von 17.000 auf 70 Kilogramm pro Jahr reduziert werden. Welches darf er mit Verweis auf das Kundenverhältnis allerdings nicht verraten.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1080 vom 23.11.2019