Inhalt: Klare Verkehrsregelung geht anders - Radverkehr an der Nienburger Straße

Klare Verkehrsregelung geht anders - Radverkehr an der Nienburger Straße

„VERKEHRt - von kleinen Königen und großen Irrtümern“ - in dieser Serie von Stadtverwaltung, Polizei und Neustädter Zeitung werden immer samstags grundsätzliche Verkehrsthemen behandelt, die aber nicht immer jedem klar sein dürften. Da es auch um konkrete „Problemfälle“ gehen soll, werden Anregungen gern unter dem Stichwort „VERKEHRt“ per E-Mail an redaktion@neustaedter-zeitung.de entgegengenommen.

Es ist eine der meist diskutierten Verkehrsregelungen im Stadtgebiet: Warum dürfen aus Norden über die Nienburger Straße (Bundesstraße 442) kommende Radfahrer nicht den Wegeabschnitt zwischen den Einmündungen Theodor-Heuss-Straße und Rundeel befahren, um in die Innenstadt zu gelangen?

Hauptgrund ist, dass die Freigabe zur Querung der Theodor-Heuss-Straße für vom Bahnübergangs kommende, linksseitige Radler viel zu gefährlich wäre.

Zur Erklärung: Grundsätzlich dürfen Radfahrer Wege ausschließlich in Fahrtrichtung rechts benutzen - es sei denn, linksseitige Wege sind per Beschilderung in beide Richtungen für den Radverkehr frei gegeben. Eine Freigabe geschieht aber in der Regel nicht, wenn die Radfahrer im Zuge des Weges eine vielbefahrene Straße/Einmündung ohne Ampel von rechts kommend queren müssten. „Dies wäre an der Theodor-Heuss-Straße der Fall und somit Unfälle zu befürchten“, so Verkehrskoordinator Benjamin Gleue von der Stadt Neustadt.

Gleiches gilt auch für die Querung der Straße Rundeel. Dort würde der Radfahrer ohnehin „im Nirvana“ stranden, weil eine ordnungsgemäße Weiterfahrt in Richtung Innenstadt an dieser Stelle aufgrund der dortigen baulichen Gegebenheiten gar nicht möglich ist. Ohnehin ist der Wegeabschnitt zwischen Theodor-Heuss-Straße und Rundeel baulich so gestaltet, dass er aufgrund fehlender Mindestbreite nicht für Radfahrer im Gegenverkehr freigegeben werden kann. Der Abschnitt ist wegen ständiger Verstöße gegen die Rechtsfahrregelung durch entsprechende Beschilderung sogar ausdrücklich untersagt.

Allgemeines: Bezüglich des Radverkehrs entlang der Nienburger Straße gibt es nicht selten falsche Annahmen. Irrtümlicherweise gehen viele der sich bei der Verwaltung und der Polizei meldenden Beschwerdeführer davon aus, dass es sich beim kompletten Abschnitt zwischen Himmelreich und der Einmündung in die Theodor-Heuss-Straße um einen in beide Fahrtrichtungen nutzbaren Radweg handelt. Das ist aber nicht richtig.

Lediglich der Abschnitt zwischen Himmelreich und der Bedarfsampel auf Höhe der Seniorenresidenz Am Rosenkrug ist in beide Fahrtrichtungen als gemeinsamer Fuß- und Radweg ausgewiesen. Das bedeutet, dass Radfahrer auf diesem Abschnitt den Radweg nutzen müssen und nicht auf die Straße ausweichen dürfen. Sie müssen aber stets Rücksicht auf Fußgänger nehmen.

Eine andere Verkehrsregelung herrscht auf dem daran anschließenden Abschnitt bis zur Einmündung in die Theodor-Heuss-Straße. Da dieses rund 300 Meter lange Teilstück nicht über die für einen Radweg vorgeschriebene Mindestbreite verfügt, handelt es sich dort lediglich um einen Gehweg, der per Zusatzschild „Radfahrer frei“ auch von Radlern genutzt werden darf. Anders als bei einem ausgewiesenen Radweg gibt es dort keine Benutzungspflicht - Radfahrer dürfen dort also auch auf der Straße fahren, sofern sie diese in Fahrtrichtung am jeweils rechten Fahrbahnrand nutzen.

Das Teilstück ist übrigens nur deshalb für Radfahrer zur Mitnutzung freigegeben, damit von und zur KGS Rad fahrende Schüler diesen Weg nutzen können. Die Schüler biegen nach dem Bahnübergang in die Gerhart-Hauptmann-Straße ein und müssen somit nicht die Theodor-Heuss-Straße queren, was deutlich sicherer ist.

Wer als Radfahrer den Gehweg nutzt, muss einiges beachten. Er darf nur Schrittgeschwindigkeit - vier bis sieben Stundenkilometer - fahren und muss Fußgängern bei potentiellen Konfliktsituationen immer Vorrang einräumen. Die Regelung „Gehweg - Radfahrer frei“ endet dann vor der Einmündung in die Theodor-Heuss-Straße. Wer dort queren will, muss absteigen und sein Rad auf die andere Straßenseite schieben.

Aber wie fährt man richtig mit dem Rad, um aus Himmelreich in die Innenstadt zu kommen?

Variante A: Der aus Norden kommende Radfahrer fährt an der Bedarfsampel auf Höhe der Seniorenresidenz vorbei weiter über den für Radfahrer frei gegebenen Gehweg bis zur Einmündung in die Theodor-Heuss-Straße. Dort steigt er ab, quert die Straße zu Fuß, steigt auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder aufs Rad und fährt dann weiter nach Osten. Der Radler kann dann entweder auf Höhe des Polizeikommissariats durch die Straße Rundeel in Richtung Innenstadt fahren oder aber an der Bedarfsampel auf Höhe des Erichsparks die Wegeverbindung in Richtung Post/Mittelstraße nehmen.

Variante B: Bis zur Bedarfsampel ist der gemeinsame Fuß- und Radweg zu nutzen. An dieser Stelle quert der Radfahrer die Nienburger Straße, indem er sein Rad über die Ampelquerung schiebt. Auf der anderen Straßenseite angekommen kann er entweder auf der Straße am rechten Fahrbahnrand oder dem dortigen „Gehweg - Radfahrer frei“ weiter in Richtung Innenstadt/Bahnhof fahren. Auf Höhe der Kreuzung Marktstraße/Nienburger Straße kann er vom für Radfahrer freigegebenen Fußweg aus die Ampel zur Querung der B442 in Richtung Innenstadt nutzen oder aber die Fahrbahn wie die Autos befahren (Rechtsabbiegespur Richtung Landwehr / Geradeausspur in Richtung Bahnhof). Dort gibt es auch eine gesicherte Querungsmöglichkeit, um in die Fußgängerzone zu gelangen.

„Auch die Stadt Neustadt empfindet die derzeitige Fahrrad-Verkehrsführung zwischen dem Bahnübergang an der B442 und der Innenstadt nicht als ideal. Das Thema ist bereits mehrmals in Expertenrunden im Zuge von Verkehrsschauen mit Vertretern der Polizei, des ADAC, des ADFC und der Straßenbauverwaltung diskutiert worden“, sagt Gleue. Aufgrund der derzeitigen baulichen Gegebenheiten ist es aber nicht möglich, den Radverkehr dort gesetzeskonform anders zu führen.

Um dies zu ändern, müsste der gesamte Wegeabschnitt inklusive der Einmündungsbereiche und die angrenzenden Areale wie beispielsweise dem La-Ferte-Mace-Platz so gestaltet werden, dass eine sichere Führung des Radfahrers inklusive Querung der Straßen möglich ist, ohne dass dadurch Fußgänger behindert oder gefährdet werden. Ein derartiger baulicher Eingriff ist langfristig angedacht. Erste Beratungen dazu beginnen schon am 9. September (wir berichteten). Am 23. Oktober gibt eine Bürgerversammlung zum Thema Mobilität, bei der das Thema ebenfalls behandelt wird.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1068 vom 31.08.2019