Inhalt: Bescheiden und nie auf der Suche nach dem eigenen Vorteil

Bescheiden und nie auf der Suche nach dem eigenen Vorteil

Günther Falldorf und sein Bundesverdienstkreuz werden gefeiert

  • Günther Falldorf (Mitte) trägt das Bundesverdienstkreuz am Herzen. Bürgermeister Uwe Sternbeck und die stellvertretende Regionspräsidentin Petra Rudszuck freuen sich mit ihm. Foto: Kirsch/Region HannoverGünther Falldorf (Mitte) trägt das Bundesverdienstkreuz am Herzen. Bürgermeister Uwe Sternbeck und die stellvertretende Regionspräsidentin Petra Rudszuck freuen sich mit ihm. Foto: Kirsch/Region Hannover
  • 400 Gäste bevölkerten den Hof von Heinz Zettel in Dudensen, um mit Günther Falldorf die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik zu feiern.   Fotos: Brosch400 Gäste bevölkerten den Hof von Heinz Zettel in Dudensen, um mit Günther Falldorf die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik zu feiern. Fotos: Brosch
  • Inge und Günther Falldorf aus Dudensen sind seit über 50 Jahren ein starkes Team.Inge und Günther Falldorf aus Dudensen sind seit über 50 Jahren ein starkes Team.
  • Günther Falldorfs „geliebte“ Feuerwehrkapelle spielt zu Ehren ihres berühmtesten Dorfkindes.Günther Falldorfs „geliebte“ Feuerwehrkapelle spielt zu Ehren ihres berühmtesten Dorfkindes.
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Dudensen (sub). Günther Falldorf erhielt (wir berichteten) am Freitag „das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“, wie die Auszeichnung offiziell heißt. Am Abend gratulierten ihm viele Menschen bei einer Party auf dem Hof von Heinz Zettel. In einer langen Schlange standen sie bis zur Straße hinunter, um Falldorf persönlich gratulieren zu können. Der 72-jährige begrüßte jeden seiner 400 Gäste mit Handschlag und einer herzlichen Umarmung.

Fragt man Freunde, Nachbarn und Weggefährten nach Falldorfs Stärken, herrscht allseits der gleiche Tenor vor: „Menschlichkeit, Einfühlungsvermögen, Zuhörer, Vormacher, Mitmacher, Brückenbauer“ sind nur einige Begriffe, mit denen er beschrieben wird. „Günther baut Brücken und achtet darauf, dass alle Beteiligten mit über die Brücke gehen und möglichst keiner zurückbleibt“, beschreibt Weggefährte Günter Blum seinen Freund „und er sucht nie den eigenen Vorteil“. Stadtbrandmeister Robert Krenz findet ein ähnliches Bild: „Falldorf geht voraus und macht dir dann den Weg frei, damit du weiterkommst.“ Heinz-Günter Jaster, als Ortsbürgermeister Falldorfs Nachfolger, sagt: „Er packt an, wo Not am Mann ist. Er lebt das Ehrenamt.“

Günther Falldorf ist auch am Tag nach der Verleihung emotional aufgewühlt. „Es war so ein unglaublich ergreifender Moment, als Petra Rudszuck das Kreuz überreichte“, sagt er. „Und die großartige Feier am Abend“, erzählt er gerührt weiter. „Ohne die Unterstützung der Dorfgemeinschaft, wäre es nie zu dieser Auszeichnung gekommen“, ist der Verdienstkreuz-Träger überzeugt. „Diese Auszeichnung habt ihr alle mit mir gemeinsam erarbeitet“, gibt er die Ehre teilweise weiter.

Auf die Frage wie er zu seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten gefunden hat, greift er 50 Jahre zurück. „Der damalige CDU-Bürgermeister fand, Inge und ich wären zu unreif, um so jung zu heiraten. Das hat mich so geärgert, dass ich die SPD eingetreten bin. Ich wollte was verändern“, erzählt Falldorf.

Feuerwehr, Ortsrat, Kirche, Dorfgemeinschaft. Überall mischt Falldorf mit, ohne den Überblick zu verlieren. „Ohne meine Inge wäre das nicht gegangen“, betont er. „Ich habe für ihn Protokolle geschrieben. Dadurch hatten wir dann auch mehr gemeinsame Zeit“, erläutert Inge Falldorf ihre damalige Entscheidung, ihrem Gatten den Rücken zu stärken.

Trotz all der Ehrenämter kam die Familie nicht zu kurz. „Wir streiten nicht. In unserer großen Familie sind wir füreinander da“, betont Falldorf. Inzwischen geht er es etwas ruhiger an. „Offizielle Ehrenämter bekleide ich nicht mehr, aber ganz aufhören kann ich ja doch nicht“, schmunzelt der beliebte Dudenser. „In der Dämmerung fahre ich mit dem Rad meine sogenannte Storchenrunde und halte immer wieder gerne auf einen Klönschnack an“, erzählt er von seinem täglichen Ritual.

Die weitere Zukunft von Dudensen glaubt er in guten Händen zu wissen. „Um unsere Dorfjugend ist mir nicht bange. Die bringen sich ein“, sagt er zuversichtlich. Geliebt wird er vor allem von den Kindern. Viele von ihnen kommen auf dem täglichen Weg zum Kindergarten an seinem Haus vorbei. „Sie grüßen und freuen sich sichtlich, mich zu sehen“, sagt er gerührt. Auch die inzwischen jungen Erwachsenen zollen ihm nach wie vor Respekt. „Ich betrachte sie alle als meine erweiterte Familie“, erläutert der ehemalige Bürgermeister sein gutes Verhältnis zu den jüngeren Dorfbewohnern. „Dass sie alle an einem Strang ziehen, zum Wohle der Gemeinschaft“, lautet sein Wunsch an sie für die Zukunft. „Er hat die Gabe mit allen Generationen auf Augenhöhe zu sprechen“, erklärt seine Frau.

Er war schon Feuerwehrchef in seinem Heimatort, baute die Mühle mit auf, ebenso das Backhaus. Er hilft bis heute bei den Mühlenfesten und Backtagen, vor allem war Günther Falldorf aber der wohl beliebteste Ortsbürgermeister, den das Mühlenfelder Land bisher hatte. In Anerkennung seiner besonderen Verdienste um das Allgemeinwohl bekam er am gestrigen Freitag das „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ verliehen.

Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen zeichnen den Dudenser aus. Seit 1965 ist er in der Feuerwehr, wurde nach seinem Ausscheiden als Ortsbrandmeister zum Ehrenbrandmeister ernannt. Von 1986 bis 2016 war Falldorf Mitglied des Ortsrates Mühlenfelder Land, in den letzten zehn Jahren als Ortsbürgermeister. Bis heute ist er Ortsvertrauensmann in Dudensen.

Die regionale Kultur und den dörflichen Lebensraum zu bewahren, aber auch zukunftsfähig mitzugestalten war und ist ihm immer wichtig, nicht zuletzt deshalb engagierte er sich auch für die Dorferneuerung.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 2382 vom 14.08.2019