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Kein Personal: Krankenhaus schließt geriatrische Station

Lindenblatt: „Herber Verlust“ für ältere Patienten

  • Personalsorgen: Das Klinikum muss Station mit 26 Betten für ältere Patienten schließen.Foto: SeitzPersonalsorgen: Das Klinikum muss Station mit 26 Betten für ältere Patienten schließen.Foto: Seitz
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Neustadt (dgs). Da weder ein leitender Facharzt noch genügend Pflegepersonal vorhanden war, hat das Klinikum Neustadt seine geriatrische Station mit 26 Betten geschlossen. „Ein herber Verlust für die älteren Patienten“, urteilt der Allgemeinmediziner Matthias Lindenblatt.

Hintergrund der Entscheidung war neben einer vakanten Facharztstelle auch das Inkrafttreten gesetzlich vorgeschriebener Pflegepersonaluntergrenzen. „Schweren Herzens“ habe man entschieden, das Personal auf andere Stationen zu verteilen, wo es aufgrund der neuen Regelungen dringend benötigt wurde, so Pressesprecher Steffen Ellerhoff.

Die geriatrische Station nahm bisher Patienten auf, die nach einem Krankenhausaufenthalt aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters noch eine altersmedizinische Nach- und Ergängzungsbehandlung bedurften. Er habe bei seinen Patienten durchweg positive Erfahrungen mit diesem Angebot gemacht, erklärt Lindenblatt. Sie sei eine „ideale Zwischenlösung“, um vor Ort zu entscheiden, wie es mit dem älteren Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt weitergehen könnte.

Diese Patienten würden jetzt in anderen Krankenhäusern - zum Beispiel Langenhagen - geriatrisch weiter behandelt, wenn dies als medizinisch sinnvoll eingeschätzt werde, so Ellerhoff. Er betont, dass alle Patienten dennoch für die Erstbehandlung im Klinikum Neustadt „richtig sind“, sei es beispielsweise bei einem orthopädischen Eingriff oder aufgrund einer schwerwiegenden Durchblutungsstörung im Bein.

„Wir verstehen das Klinikum Neustadt als Krankenhaus für alle Menschen und alle Altersgruppen. Darum möchten wir so schnell wie möglich wieder ein wohnortnahes altersmedizinisches Versorgungsangebot aufbauen“, erklärt der Pressesprecher. So schnell werde das aber wohl nicht gelingen. Durch die Einführung der Pflegepersonaluntergrenzen habe sich die Personalnot am Klinikum noch einmal deutlich verschärft, heißt es. „Es gibt keine kurzfristige Lösung, dieses strukturelle Problem zu lösen“, macht Ellerhoff deutlich und verweist auf ein ganzes Maßnahmenbündel, von massiven Investitionen in die Digitalisierung, um Pflegende und Ärzte von professionsfremden Tätigkeiten zu entlasten, bis zu einem MobilTeam, das kurzfristig Ausfälle kompensieren soll. „Außerdem werden wir in den kommenden Wochen und Monaten verstärkt mit Fachkräften aus dem Ausland in Kontakt treten, um so die Fachkräftemangelsituation weiter zu entschärfen“, sagte Ellerhoff.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1065 vom 10.08.2019