Inhalt: „Es lohnt sich, die eigenen Probleme selbst in die Hand zu nehmen“

„Es lohnt sich, die eigenen Probleme selbst in die Hand zu nehmen“

Selbsthilfe-Woche will auch das vielfältige Angebot bekannter machen

  • Irene Siedow und Jörg Mecklenburg machen sich stark für Selbsthilfe in Neustadt und wollen auch in Sachen Behindertenbeauftragte(r) für Fortschritte sorgen.   Foto: SeitzIrene Siedow und Jörg Mecklenburg machen sich stark für Selbsthilfe in Neustadt und wollen auch in Sachen Behindertenbeauftragte(r) für Fortschritte sorgen. Foto: Seitz
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Neustadt (os). Sie arbeiten meist eher im Verborgenen. Nicht selten wissen deshalb Betroffene gar nicht, dass kompetente Hilfe sehr nahe liegen kann. „Oh, so etwas gibt es hier vor Ort“, ist deshalb keine selten gehörte Nachfrage, wenn der Arbeitskreis Selbsthilfe Ansprechpartner für die verschiedensten Probleme vermittelt.

In der laufenden Woche hat „Der Paritätische“ unter dem Motto „Wir hilft“ eine Aktionswoche ausgerufen, um Selbsthilfegruppen bekannter zu machen - und damit möglichst vielen Betroffenen eine Anlaufstelle zu vermitteln, von der sie bisher vielleicht noch nichts wissen. Die Gruppen selbst sollen aber auch motiviert werden, sich bekannter zu machen. Wie schwierig das ist, haben Irene Siedow und Jörg Mecklenburg bei den Vorbereitungen zur Aktionswoche direkt zu spüren bekommen. Nicht von jeder der kontaktierten Gruppen kamen Rückläufer, um in der Zeitung kurz vorgestellt zu werden. Selbsthilfegruppen die das Angebot nutzten, finden Leser um Umlauf auf Seite 6.

„Wir wollen auch in Neustadt zeigen, wie wichtig es ist, sich gegenseitig zu stützen und zu organisieren“, erklärt Siedow. „Mit unserer Teilnahme an der Aktionswoche wollen wir verdeutlichen, wie vielfältig die Selbsthilfe ist, und dass es sich lohnt, die eigenen Probleme selbst in die Hand zu nehmen.“ Die Neustädterin ist seit Jahren gut vernetzt - auch aufgrund eigener Erfahrung. Und sie engagiert sich mit enormen Aufwand. Siedow ist nicht nur im Arbeitskreis tätig, der sich als Schnittstelle zwischen Rat und Verwaltung versteht. Sie leitet zudem die Selbsthilfegruppe für Angehörige an Demenz erkrankter Menschen.

Über Unterstützung von offizieller Seite würde sie sich aber durchaus freuen. „Seit der Pensionierung der Gleichstellungsbeauftragten Bärbel Heidemann hängen wir im luftleeren Raum“, sagt sie. Heidemanns Nachfolgerin hat nur noch eine reduzierte Stelle, ist für den Selbsthilfebereich nicht mehr zuständig. „Ich bin nicht sicher, ob sich die Verantwortlichen genug Gedanken gemacht haben, wie es weitergeht“, sagt sie. Der Arbeitskreis Selbsthilfe hat zwar zwei beratende Sitze im Integrationsausschuss, „aber die Lobby fehlt.“

Wie ihr Mitstreiter Jörg Mecklenburg findet sie es zwar gut, dass die Stadt aktuell nach einem oder einer Behindertenbeauftragten sucht, „es hapert aber schon an einer barriefreien Internetseite. Die Ausschreibung können Sehbehinderte nicht wahrnehmen.“ Die beiden Aktivisten hoffen sehr, dass sich jemand kompetentes findet. „Jemand mit juristischen Kenntnissen wäre gut“, sagt Siedow.

Findet sich niemand, würde sie es auch selbst machen. Die gelernte Krankenschwester und geronte-psychologische Fachkraft brächte auf jeden Fall reichlich nützliche Kenntnisse mit - oft aus eigener Erfahrung erworben. „Mit behinderten Eltern und einem behinderten Enkelkind eignet man sich einiges an“, sagt sie.

Die Selbsthilfelandschaft möchten Mecklenburg und sie auf jeden Fall mindestens so vielfältig wie sie bisher ist erhalten. „Es ist wichtig, dass es niedrigschwellige Angebote gibt“, sagt Siedow. Mit der Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle im Selbsthilfebereich (KIBIS), die auch ein Büro in Neustadt hat, kooperiert der Arbeitskreis Selbsthilfe sehr eng.

Die Mitarbeiterinnen der Kontaktstelle informieren, beraten, vermitteln und unterstützen bei Fragen rund um das Thema Selbsthilfe. Mit ihrer Außenstelle ist die KIBIS immer dienstags von 10 bis 12 Uhr in der Stadtverwaltung, Nienburger Straße 31, Telefon 05032/9092776, erreichbar. Termine können vereinbart werden.

Alles weitere über die Aktionswoche des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes unter www.wir-hilft.de. Der Arbeitskreis Selbsthilfe hat eine eigene Internetseite, die gibt weitere Infos unter www.snrue.de.

Auf Seite 6 der aktuellen Neustädter Zeitung werden zahlreiche Gruppen kurz vorgestellt.

Auch im kostenlosen ePaper unter http://epaper.neustaedter-zeitung.de/nz/2370/

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1053 vom 18.05.2019