Inhalt: Nicht immer da, aber immer stolz auf ihn

Nicht immer da, aber immer stolz auf ihn

Hilfsbereitschaft im Ehrenamt aus Sicht einer Tochter

  • Nur eine Übung: An der Michael Ende Schule erlebte Lya-Marie ihren Vater Bernd Oppermann mal als Feuerwehrmann in Aktion. Foto: (r).Nur eine Übung: An der Michael Ende Schule erlebte Lya-Marie ihren Vater Bernd Oppermann mal als Feuerwehrmann in Aktion. Foto: (r).
  • Im Praktikum bei der Neustädter Zeitung schrieb sie unter anderem über ihre Erfahrungen als Tochter eines Brandschützers.   Foto: SeitzIm Praktikum bei der Neustädter Zeitung schrieb sie unter anderem über ihre Erfahrungen als Tochter eines Brandschützers. Foto: Seitz
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Neustadt. An meinen 13. Geburtstag kann ich mich noch gut erinnern, auch weil mein Vater nicht die ganze Zeit da war. Er ist bei der Freiwilligen Feuerwehr und wurde zu einem Moorbrand gerufen. Unglücke passieren einfach, planen lässt sich das nicht. Es war aber nicht das einzige Mal, dass er das Kerzenauspusten oder Kuchenanschneiden verpasst hat. Auch an Silvester fragen wir uns jedes Jahr wieder, ob wir gemeinsam ins neue Jahr starten. Alle stehen draußen beisammen mit ihren Sektgläsern und Knallern bereit. Schon mehrfach ging statt den Raketen der Pieper los. Unfälle oder Brände durch Böller gibt es oft.

Wer in der Freiwilligen Feuerwehr ist, fährt immer zum Gerätehaus, wenn der Alarm kommt. Egal zu welcher Tageszeit, einsatzbereit ist man 24 Stunden, auch an Feiertagen und am Wochenende.

Natürlich ist es traurig, wenn ein Elternteil manche besonderen Erlebnisse verpasst. Bei dem Gedanken, was er leistet, bin ich umso mehr stolz. Ich weiß, dass ich bei den vielen Feuerwehrleuten nicht das einzige Kind bin, dem dass so geht. Natürlich hat man dabei jedes mal aufs Neue Angst, dass etwas passiert. Ungefährlich sind viele Einsätze nicht, aber das lässt sich auch nicht vermeiden. Manchmal erzählt Papa uns davon, anderes liest man später erst in der Zeitung. „Ich helfe anderen einfach gern und will auch nicht weggucken, wenn um mich herum etwas passiert“, hat er mir auf die Frage nach dem Warum geantwortet.

Trotzdem muss ich oft feststellen, dass dies vielen gar nicht so bewusst ist. Längst nicht alle wissen, dass das alles ehrenamtlich für die Stadt und die Bewohner geleistet wird. Viele nehmen das als selbstverständlich hin und sind manchmal sogar noch unzufrieden. Beschwerden über nächtliches Martinshorn gibt es immer mal wieder, manchen dauert es auch zu lange, bis Hilfe kommt. Immerhin wird die Feuerwehr oft bei mehreren Kleinigkeiten angerufen, wie eine Katze vom Baum holen, einen brennenden Papierkorb löschen oder Rollstuhlfahrer am Bahnhof die Treppe herunter tragen, weil mal wieder der Fahrstuhl nicht funktioniert. Trotzdem kommen sie immer und helfen. Es ist eine große Aufgabe die sie bewältigen, wofür ihnen - finde ich - viel zu selten gedankt wird.

Lya-Marie Oppermann

Was die Feuerwehr so macht ...

Im Stadtgebiet Neustadt arbeiten ehrenamtlich um die 1.200 aktive Feuerwehrleute, welche rund um die Uhr einsatzbereit sind. In den Jugendfeuerwehren bereiten sich die Kinder im Alter von zehn bis 16 Jahren auf die Übernahme in die aktive Wehr vor und sammeln Erfahrungen und Freunde fürs Leben. Dazu lernen sie, welche Geräte auf ein Feuerwehrauto gehören und wie man diese benutzt. Zu Einsätzen fahren jedoch nur die Aktiven, die durch Pieper oder Sirene über den nächsten Notfall verständigt werden.

Nebenbei organisieren Feuerwehrleute Flohmärkte und Feste, fördern damit Dorfgemeinschaften und das Miteinander. -lmo-

Unerwartet

Wer ein Praktikum bei der Neustädter Zeitung macht, soll sich darin einem Thema widmen, dass ihn selbst betrifft oder interessiert. Das war auch bei Lya-Marie Oppermann, 14 Jahre alt, so. Die Gymnasiastin von der KGS beschäftigt die ehrenamtliche Feuerwehrtätigkeit ihre Vaters - und sie hat sich so ihre Gedanken dazu gemacht. Eine sehr persönliche Geschichte - und etwas unerwartet für die Redaktion. Wir fanden ihre Idee so interessant, dass wir unseren Lesern das Ergebnis nicht vorenthalten wollen. -os-

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1052 vom 11.05.2019