Inhalt: „Jeder hätte mich einfach mal ansprechen können, wir versuchen alles“

„Jeder hätte mich einfach mal ansprechen können, wir versuchen alles“

Kiosk-Betreiber Kais Kasem fühlt sich zu Unrecht kritisiert

  • Kais Kasem hat in seinem Kisok jede Menge Kunden, vor allem Fahrgäste, die mit Bahn und Bus unterwegs sind. Ein breites Angebot und kleine Preise kommen offensichtlich an.    Foto: SeitzKais Kasem hat in seinem Kisok jede Menge Kunden, vor allem Fahrgäste, die mit Bahn und Bus unterwegs sind. Ein breites Angebot und kleine Preise kommen offensichtlich an. Foto: Seitz
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Neustadt (os). „Wir versuchen schon, hier alles in Ordnung zu halten“, sagt Kais Kasem, Kioskbetreiber am Bahnhof. Er fühlt sich nach Äußerungen von Bürgermeisterkandidaten auf der Robby-Bühne nicht nur zu Unrecht kritisiert, sondern hat Existenzangst. Vor allem der parteilose Jürgen Stach hatte die Entfernung des Verkaufsstandes für die ersten Tage einer möglichen Amtsübernahme angekündigt.

Dabei ist Kasem gerade von Stach enttäuscht. Zwar räumt er ein, dass während seines Urlaubs nicht alles wie geplant gelaufen sei, trotzdem habe Stach ihn bisher nie angesprochen und Kritik geäußert. Nahe läge das im Wortsinne, denn Stachs Havanna ist in direkter Nachbarschaft zu finden. „Es gab vorher keine direkte Kritik“, sagt der Kioskbetreiber. Nach der Diskussionsrunde war bisher allein Grünen-Kandidat Dominic Herbst bei ihm, berichtet er. Der hatte schon auf der Bühne gesagt, als täglicher Bahnhofsnutzer sei ihm nichts Negatives aufgefallen.

Das bestätigt die Stadtverwaltung auf Nachfrage der NZ. Gaststätten-, baurechtlich und in Sachen Verkehr habe es bei Kontrollen keinerlei Beanstandungen gegeben. Die Anlage sei genehmigt oder teils genehmigungsfrei auf Privatgrund. „Lediglich Hinweise auf die nicht so schöne Optik gab es“, sagt Stadtsprecherin Pamela Klages. Das sei für die Kommune aber kein Kriterium. Dabei versteht Kasem die Kritik durchaus. „Es gibt da tolle Lösungen, auch für Containerkioske“, hat er gesehen. „Aber das hat auch seinen Preis und wir sind hier ja erstmal nur bis zum Baubeginn auf dem Gelände“, so der Neu-Neustädter. Er hat einen anderen Kiosk für den aktuellen Standort aufgegeben, zwei Familien leben nach seinen Worten von den Einnahmen aus dem Geschäft. Das möchte er auch nach Fertigstellung des Neubaus am Bahnhof weiterbetreiben, hat sich längst beim Investor für eine Verkaufsfläche vormerken lassen.

Bis zu 500 Kunden hat er nach eigenen Worten täglich, allein 100 bis 200 Kaffees setzt er in den Morgenstunden ab. „Viele Kinder kommen zu uns, wir haben für jeden Geldbeutel etwas“, so der 48-Jährige. Kleine Kaugummikugeln für zehn Cent oder einen „Durstlöscher“ gibt es auch mal gegen Pfandflaschen oder auf Pump bis zum nächsten Tag. „Ja, bei uns trinken auch Leute ihr Bier“, sagt er. Das sei aber nicht verboten. Nachdem es zunächst Tische vor dem Kiosk gab, hat er mit Blick auf die jüngere Kundschaft hinter dem Container einen Bereich mit Sichtschutzzaun eingefasst, wo Alkohol getrunken werden kann, ohne dass es offen sichtbar wäre.

Kasem hat mittlerweile selbst das Gespräch zu Stach gesucht. Der bestätigt das, sieht auch eine Besserung. Die Optik nennt er zwar weiter „unansehnlich“, könnte mit weiteren Verbesserungen aber eine „Interimslösung“ akzeptieren. Stammkunden würden an benachbarte Häuser pinkeln, ist einer seiner größten Kritikpunkte. „Wir haben einen Schlüssel für die Toilette am ZOB“, sagt der Kiosk-Betreiber dazu, außerdem räume er jeden Tag mehrfach rundum auf. Eine komplette Kontrolle habe er aber ebenso wenig wie sein Nachbar selbst mit dem Havanna auch.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 2368 vom 08.05.2019