Inhalt: Wie die Axt im Wald - Baumfällungen im Klosterforst

Wie die Axt im Wald - Baumfällungen im Klosterforst

Naturschützer sind empört – Forstamt spricht von „moderatem Pflegeeinsatz“

  • Meterhoch lagern dicke Buchen- und Eichenstämme im Klosterforst Mariensee.Meterhoch lagern dicke Buchen- und Eichenstämme im Klosterforst Mariensee.
  • Für Revierförsterin Katharina Niebel und Jens Tegtbüring, Betriebsdezernent im Forstamt Fuhrberg, ist es ein „moderater Pflegeeinsatz“.Fotos: Gade-Schniete/rFür Revierförsterin Katharina Niebel und Jens Tegtbüring, Betriebsdezernent im Forstamt Fuhrberg, ist es ein „moderater Pflegeeinsatz“.Fotos: Gade-Schniete/r
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Neustadt/Mariensee (dgs). Meterhoch lagern dicke Buchen- und Eichenstämme an einem Wirtschaftsweg im Klosterforst. Spaziergänger sind fassungslos, Naturschützer empört. Sie beklagen den umfangreichen Einsatz mit schwerem Gerät im Klosterforst, einem besonders geschützten FFH-Gebiet. Die zuständige Revierförsterin Katharina Niebel sieht das ganz anders, es handele sich um einen „eher moderaten Pflegeeinsatz“ zur ökologische Aufwertung einer Waldfläche, erklärt sie.

Auf rund 16 Hektar soll westlich des Wirtschaftweges in den nächsten Jahren ein ökologisch wertvoller Eichenwald erhalten bleiben. Dazu hat das zuständige Forstamt Fuhrberg jetzt viele „bedrängende“ Buchen gefällt, darunter weit über hundert Jahre alte Exemplare. Ohne diese Maßnahme hätten die Eichen hier große Schwierigkeiten sich durchzusetzen, erläutert die Revierförsterin. Alte Eichen seien wichtige Habitatbäume für seltene Spechtarten, wie den Mittelspecht, oder Fledermäuse, erklärt Roman Spenner, „Naturschutzförster“ im Forstamt Fuhrberg. Auf der gesamten Fläche soll nun die Forstwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten komplett ruhen. „Ich stehe voll hinter dieser Maßnahme“, betont er. Sie sei auch abgesprochen mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover.

Der Holzeinschlag sähe für den Laien massiver aus als er tatsächlich sei, sind sich Niebel und Spenner einig. Statt der sonst bei einer Durchforstung üblichen 40 bis 60 Festmeter pro Hektar seien nur etwa 20 Festmeter geschlagen worden. Die Stämme konnten nur an diesem einen Wirtschaftsweg gelagert werden. „Wir sind mit Augenmaß vorgegangen“, ist die Revierförsterin überzeugt. „Für das Forstamt standen keinesfalls wirtschaftliche Interessen im Vordergrund“, macht Spenner deutlich. Es handele sich hier eher um ein „Plus-minus-null- Geschäft“.

Mitglieder des Naturschutzbundes (NABU) haben da eine andere Sichtweise: Der überwiegende Anteil der Fällungen habe alte Exemplare betroffen, gesunde Bäume viele über 150 Jahre alt. Für sie dränge sich der Verdacht einer finanziell attraktiven, normalen „Holzernte“ auf. Dieser Bereich stehe aber als FFH-Gebiet unter besonderem Schutz, in dem die Holznutzung zwar erlaubt sei, aber zu keiner Verschlechterung der Lebensbedingungen frei lebender Tierarten führen dürfe. Der Waldumbau sollte nach den europaweit gültigen Richtlinien des Schutzgebietnetzwerkes Natura 2000 erfolgen, was für die Naturschützer hier nicht der Fall ist. Sie befürchten, dass die Baumfällungen sich negativ auf viele dort vorkommende und inzwischen immer seltener werdende Specht- und Eulenarten, Milane, Schnepfen und Singvögel auswirken. Ebenso könnten Fledermäuse betroffen sein.

Auch die Untere Naturschutzbehörde wurde durch eine Anzeige alarmiert und will sich in die Klärung des Konflikts einschalten. Revierleiterin Katharina Niebel zeigte sich „überrascht“ von der Aufregung. Beim nächsten Mal werde man anders vorgehen, erklärt sie. Naturschutzverbände und die örtlichen Medien sollten vorab über Maßnahmen informiert werden.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1044 vom 16.03.2019