Inhalt: Führt die „Stromautobahn“ SuedLink bald quer durch das Neustädter Land?

Führt die „Stromautobahn“ SuedLink bald quer durch das Neustädter Land?

Geplanter Korridorverlauf sorgt für mächtig Aufruhr - Politik fordert Antworten

  • Die Stromautobahn SuedLink soll durch den westlichen Teil der Region Hannover - so auch durch das Neustädter Land - führen. Repro: (r).Die Stromautobahn SuedLink soll durch den westlichen Teil der Region Hannover - so auch durch das Neustädter Land - führen. Repro: (r).
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Neustadt (cck). Die Ankündigung der Übertragungsnetzbetreiber TenneT und TransnetBW schlug ein wie eine Bombe. Sie verkündeten am Donnerstag, dass die Stromtrasse „SuedLink“ anders als bislang vermutet nicht durch den östlichen, sondern den westlichen Teil der Region Hannover führen soll, betroffen wäre dann auch ein Großteil des Neustädter Stadtgebiets.

Laut Steckbrief der ARGE (Arbeitsgemeinschaft) SuedLink soll die Erdkabelverbindung westlich vorbei an Niedernstöcken, Brase, Mandelsloh, Welze, Evensen, Scharnhorst und Otternhagen sowie östlich von Büren, Wulfelade, Basse und Mecklenhorst verlaufen. Dabei müsste auch die Leine sowie ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet gequert werden. Überraschung und Fassungslosigkeit sind die Reaktionen in der Politik - insbesondere bei den betroffenen Ortsbürgermeistern und der Stadt, aber auch auf Landes- und Bundesebene.

Für Johannes Laub (CDU), Ortsbürgermeister der Kernstadt, gibt es viele offene Fragen: „Die Trasse führt durch ein FFH-Gebiet, der Bereich der Westtrasse ist außerdem dichter besiedelt“, schildert er. Deshalb glaube er nicht, dass dies für Mensch und Tier die beste Lösung sei. Unklar sei für ihn auch, ob der Neubau des Friedrich-Löffler-Instituts in Mecklenhorst berücksichtigt wurde. Günther Hahn (UWG), Ortsbürgermeister aus Mandelsloh, sieht es ähnlich: Insbesondere aus landwirtschaftlicher Sicht sei die Entscheidung nicht hinnehmbar. Der Bereich Stöckendrebber-Mandelsloh entwickele sich gerade zu einem Schwerpunkt des ökologischen Landbaus, der durch die Stromtrasse massiv beeinträchtigt werde. „Man nimmt den Landwirten eine Perspektive in der Entwicklung, nicht nur jetzt, sondern auch für nachfolgende Generationen“, so Hahn. „Wer zahlt eigentlich für die Landwirtschaft den erheblichen Ertragsausfall und das lebenslang, muss man sich fragen“, heißt es in seinem Statement. Auch sei die Leinequerung durch ein FFH- und Natura 22-Gebiet äußerst bedenklich. Überrascht ist auch Wilfried Schneider (CDU), Ortsbürgermeister aus Otternhagen. Eigentlich seien alle Ortsteile gegen die „West-Variante“ gewesen, da diese zu dicht an der Bebauung liege, sagt er im Gespräch mit der NZ. „Der Tenor war eigentlich immer, dass die Oststrecke besser geeignet ist“, so Schneider.

Bürgermeister Uwe Sternbeck (Bündnis 90/Die Grünen) ist ebenso verwundert, dass die Westtrasse die Vorzugsvariante sein soll - und das „trotz der erheblichen inhaltlichen Konflikte, die seitens der Stadt in Zusammenarbeit mit den Ortsräten, Bürgern und fachlichen Bewertungen an TenneT transportiert worden sind“. Was er erwarte, sind konkrete Lösungsvorschläge für die Konflikte. In den angekündigten Informationsterminen müsse daher sehr gut dargestellt werden, wie das Ergebnis zu Stande gekommen ist, so der Bürgermeister weiter.

Statements gibt es auch von Staatssekretärin Caren Marks (SPD), Staatsminister Dr. Hendrik Hoppenstedt sowie dem Landtagsabgeordneten Sebastian Lechner (CDU). Marks fordert, dass die „Gründe öffentlich dargestellt und die Kommunen umfassend informiert werden.“ Hoppenstedt und Lechner betonen, dass zunächst das Prüfverfahren der Bundesnetzagentur abzuwarten sei. „Für uns ist es wichtig, dass die Trasse erdverkabelt ist und an den Straßen oder Schienen entlang geführt wird, um möglichst wenig landwirtschaftliche Flächen zu beeinträchtigen“, so die CDU-Abgeordneten. Bevor die Bundesnetzagentur Ende des Jahres zu einer endgültigen Entscheidung, den Korridor so wie jetzt vorgeschlagen umzusetzen, werde noch eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten sein, ist sich auch der Regionsabgeordnete Stefan Porscha (CDU) überzeugt.

So geht es weiter

Die Übertragungsnetzbetreiber wollen den Vorschlagskorridor der Bundesnetzagentur Ende Februar zur Entscheidung vorlegen. Diese wird die Unterlagen prüfen, auslegen und Fristen zur weiteren Beteiligung für alle Abschnitte bekanntgeben. Während einer formellen Beteiligungsphase soll die Öffentlichkeit die Möglichkeit bekommen, eigene Stellungnahmen bei der Behörde einzureichen. Die Hinweise werden anschließend auf Erörterungsterminen in allen SuedLink-Abschnitten fachlich diskutiert - heißt es in einer Mitteilung von TenneT und TransnetBW. Voraussichtlich Ende des Jahres werde die Behörde dann einen verbindlichen 1.000 Meter breiten Trassenkorridor festlegen. Infoveranstaltungen in allen Landkreisen soll es ab 25. März geben, so die Netzbetreiber.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1041 vom 23.02.2019