Inhalt: Schluss mit lustig - Bürgerinitiative will noch drei Jahre Wartezeit nicht hinnehmen

Schluss mit lustig - Bürgerinitiative will noch drei Jahre Wartezeit nicht hinnehmen

Bahn will keine schnellen Sperrzeiten für Brückenbau gewähren

  • BI-Sprecher Ulrich Thies würde am liebsten selbst zu Hacke und Schaufel greifen und die Schranke dem Erdboden gleich machen.   Foto: SeitzBI-Sprecher Ulrich Thies würde am liebsten selbst zu Hacke und Schaufel greifen und die Schranke dem Erdboden gleich machen. Foto: Seitz
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Poggenhagen (os). „Das dauert ohnehin alles schon lange genug, aber jetzt ist Schluss mit lustig“, sagt Ulrich Thies gereizt. Der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „Schranke weg“ ist nach eigenen Worten „auf 180“ seit ihm im Rahmen seiner regelmäßigen Nachfragen am vergangenen Freitag bei der Region eine neue Hiobsbotschaft in Sachen Brückenbau erreichte. „Der Projektleiter hat mir mitgeteilt, dass es zu einer etwa dreijährigen Verschiebung des Projekts Bahnbrücke Poggenhagen kommen wird. Das ist unglaublich“, so Thies.

Er berichtet von zahlreichen Gesprächen mit geplagten Bewohnern und Pendlern um den Jahreswechsel. „Da haben viele sich noch gefreut, dass nach der Projektfeststellung dieses Jahr dann 2020 der Bau starten sollte“, sagt der Aktivist.

Nach seiner Kenntnis hat die DB Netz AG angekündigt, in dem Abschnitt keine Möglichkeiten für sogenannte Sperrpausen zu sehen. Ohne die sind aber keine Bauarbeiten möglich. Regionssprecherin Carmen Pförtner bestätigt den Sperrpausen-Ausschluss, aber nicht konkret den genannten Zeitraum. Die Behörde will weiter Kontakt zu allen Verfahrensbeteiligten halten und „relativ schnell klären“, wie es für das Vorhaben weitergeht - möglichst schon bis zu einer Pressekonferenz zu den Baummaßnahmen 2019 in der kommenden Woche.

Thies hat seit der schlechten Nachricht viel am Computer gesessen und zahlreiche Protestschreiben verfasst. „Wir nehmen Kontakt zu Bundes- und Landespolitik auf, aber auch zu Stadt- und Regionsführung sowie zur Deutschen Bahn“, kündigte er an. Die BI will die weitere Verzögerung auf keinen Fall unwidersprochen hinnehmen, „erst Recht nicht in dieser Länge“, so Thies. „Wenn ich nicht ein so gesetzestreuer Bürger wäre, würde ich selbst Hand anlegen“, sagte der Aktivist deutlich erregt. Was ihm nicht in den Kopf will: „Die DB Netz AG sitzt mit am Verhandlungstisch und plötzlich, nachdem alles weitgehend geklärt ist, fällt ihnen ein, dass sie keine Sperrpausen ermöglichen können?“

Für ihn ist das Vorgehen „ein Schlag ins Gesicht“ der unzähligen Verkehrsteilnehmer, die jeden Tag die Schranke passieren. Diese ist täglich mehr als acht Stunden geschlossen sind.„Gibt es denn in diesem vorbildlich organisierten, hoch technologisiertem Land niemanden mehr, der den A…. in der Hose hat, mit der Faust auf den Tisch zu hauen, um auf die Einhaltung von Zeitplänen zu pochen? Es ist wahrlich kein Wunder, dass in Deutschland kein Großprojekt mehr zeitgerecht und ohne Mängel und Mehrkosten realisiert werden kann“, fragt sich der Poggenhagener. Bisher habe es immerhin Einvernehmen aller Beteiligten nach 15 Projektbesprechungen gegeben, sagt er.

Das gescholtene Staatsunternehmen reagierte am Dienstagnachmittag mit einer Pressemitteilung. „Wegen des notwendigen Planungsvorlaufes ist eine aus heutiger Sicht realistische Bauzeit von 2023 bis 2025, in der auch Zeiträume für Gleissperrungen denkbar sind“, heißt es dort allgemein. „Die Bahn wird, sobald alle erforderlichen Planunterlagen vorliegen, alles Erforderliche in die Wege leiten und auch weiterhin selbstverständlich dieses Bauvorhaben unterstützen“, teilt eine Bahnsprecherin auf NZ-Anfrage mit. Auf Nachfrage zeigte sie sich überrascht, dass diese Entwicklung neu sein soll. „Ohne Planfeststellungsbeschluss und Entwurfsplanung lassen sich keine Sperrpausen beantragen“, sagte sie.

Regionssprecherin Carmen Pförtner kennt zwar dieses generelle Vorgehen, aus der Vergangenheit aber auch zahlreiche Beispiele, in denen sich Baumaßnahmen ohne ähnlich lange Vorläufe umsetzen ließen. „Die neue Information war jetzt, dass das in diesem Fall nicht möglich sein soll“, präzisierte sie die bisherigen Verhandlungsergebnisse.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 2355 vom 06.02.2019