Inhalt: Trinkwasser: Kurzfristig ist nicht mit Nitratsenkungen zu rechnen

Trinkwasser: Kurzfristig ist nicht mit Nitratsenkungen zu rechnen

Andere Wasserversorger haben keine Lieferkapazitäten

Neustadt (os). „Wir sind uns bewusst, dass das in vielen Teilen keine befriedigende Auskunft ist“, hatte Wasserverbands-Geschäftsführer Stephan Schumüller am Ende seines Vortrags im Rat gesagt. Auf dessen Antrag hatte der Wasserverband Garbsen-Neustadt (WVGN) rund ein Jahr lang die Möglichkeiten eruiert, wie in großen Teilen des Neustädter Landes weniger nitratbelastetes Wasser geliefert werden könnte.

Sein Fazit: Mittelfristig werde eine Aufbereitung des Trinkwassers nötig. Andere Möglichkeiten gibt es kaum. Was immer getan wird, das wichtigste Lebensmittel wird dadurch weiter verteuert.

Schumüller hatte Ratsmitgliedern und - vergleichsweise wenigen - Zuhörern zuvor erklärt, dass eine vor allem von Trinkwasser-Aktivisten geforderte Variante nicht in Frage kommt: Zumischung von Wasser anderer Versorger. WVGN-Nachfragen hätten ergeben, dass die nicht über ausreichende Kapazitäten verfügten, um vertraglich Lieferungen anzubieten.

Vor diesem Hintergrund fragte SPD-Ratsherr Ferdinand Lühring, warum die Fördermenge des nitratarmes Wasser liefernden Wasserwerks Schneeren zugunsten der Wiedervernässung des Toten Moores reduziert werde. Schumüller konnte das nicht beantworten, das Wasser dort fördert nicht der WVGN. Schneerener Zuhörer forderten auch in dieser Ratssitzung wieder, an das Netz der dort tätigen Harzwasserwerke angeschlossen zu werden, um so fast nitratfreies Wasser zu erhalten, statt das teurere WVGN-Trinkwasser, dessen Nitratwert mit aktuell durchschnittlich 39 Milligramm je Kubikmeter dem Grenzwert von 50 Milligramm immer näher kommt.

Weitere eigene Bezugsquellen sind nach Worten des WVGN-Geschäftsführers ebenfalls kaum anzapfbar. Vor allem das besseres Wasser liefernde Werk „Forst Esloh“ arbeitet an der „Kapazitäts- und Genehmigungsgrenze“. Neue Brunnen ließen sich aufgrund umfangreicher Genehmigungsverfahren nicht kurzfristig erschließen, zudem könnte dadurch neben neuen Leitungen sogar ein weiteres Wasserwerk nötig werden. Bleiben nur Aufbereitungen. Ohne die noch nicht kalkulierten Entsorgungskosten rechnet Schumüller dabei mit Kubikmeter-Mehrkosten von 18 bis 31 Cent.

Thomas Rätzke von der Bürger-Initiative „nitratfreies Trinkwasser“ wollte von allen Fraktionen unter anderem wissen, wie die Ungleichbehandlung von Menschen in der Kernstadt, Bordenau und Poggenhagen, die saubereres Wasser der Harzwasserwerke für weniger Geld beziehen und den Stadtteilen erreicht werden soll. Eine Antwort darauf gab es nicht, betreffend der Maßnahmen für besseres Wasser wollen aber alle Fraktionen weiter beraten, eine kurzfristige Antwort sei nicht möglich.

Grünen-Sprecher Dominik Herbst hatte bereits in der Sitzung nach möglichen Verbesserungen durch sparsameren Umgang mit Wasser gefragt. Diese Forderung erneuerte er bis Freitag. Obwohl der WVGN nach Geschäftsführer-Aussage kaum größere Gewerbekunden hat, sieht Herbst die Industrie in der Pflicht, sparsamer mit Trinkwasser umzugehen. „Nur drei Prozent werden getrunken“, sagt er.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1030 vom 08.12.2018