Inhalt: Ihnen macht im Handwerk so schnell keiner etwas vor

Ihnen macht im Handwerk so schnell keiner etwas vor

Drei Gesellen überzeugen beim Leistungswettbewerb

  • Von links: Anna Niemeyer, William Andrew Barr und Lea Ludowig. Fotos: Krämer/(r).Von links: Anna Niemeyer, William Andrew Barr und Lea Ludowig. Fotos: Krämer/(r).
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Neustadt/Hannover (cck). Sie haben die Ausbildung erfolgreich in der Tasche - und das sogar mit Auszeichnung. Insgesamt 37 Nachwuchs-Handwerker bestanden ihre praktische Gesellenprüfung mit hervorragenden Leistungen und setzten sich damit gegen alle Prüflinge ihres Gewerkes im gesamten Kammerbezirk durch.

Zu den besten Gesellen, die bei der Siegerehrung im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks in der Handwerkskammer Hannover geehrt wurden, zählen mit Maurerin Lea Ludowig, Friseurin Anna Niemeyer und Zimmerer William Andrew Barr auch drei Prüflinge aus dem Neustädter Land. Mit ihren Gesellenstücken oder Arbeitsproben haben sie die Konkurrenz hinter sich gelassen und sind Beste ihres Fachs geworden. Im November folgt die Ausscheidung auf Landesebene, im Dezember auf Bundesebene.

„Ich kam gerade aus dem Urlaub, als der Brief kam“, sagt Friseurin Anna Niemeyer im Gespräch mit der Neustädter Zeitung. Dass sie die praktische Ausbildung sogar mit Auszeichnung bestehen würde, hätte sie nicht gedacht. Unter den kritischen Augen dreier Prüfer musste sie in begrenzter Zeit drei Modelle frisieren: Dazu gehörte Schneiden, Kolorieren, Stylen und Schminken. „Wichtig war, dass es eine sichtbare Veränderung gab“, so Anna. Als Modelle mussten ihre Schwester, Schwägerin und ihr Bruder herhalten. „Schließlich muss man sich sicher sein, dass sie auch kommen“, lacht sie.

Ein Modell brauchte die Maurerin Lea Ludowig für ihre Prüfung nicht, dafür ein gutes Augenmaß. Bei ihr ging es darum, ein Hintermauerwerk in „Z-Form“ mit Fassade zu errichten. Zwei Tage gab es dafür Zeit. „Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Fugen nicht zu groß sind“, schildert die 20-Jährige. Aufgeregt war sie vor der Prüfung eigentlich nicht. Anders bei dem Zimmerer William Andrew Barr: Er sollte in viereinhalb Stunden den Ausschnitt eines Walmdaches erstellen. „Erstmal muss man die Zeichnung verstehen und daraus den Aufriss interpretieren“, erklärt er. Dadurch, dass alle Prüflinge in einem Raum arbeiteten, konnte er gut den Fortschritt der anderen beobachten. „Alle waren ziemlich nervös“, erinnert er sich. Bei einem sind sich alle drei Gesellen einig: Ihre Ausbildung war eine spannende Erfahrung mit hohem Praxisanteil. Als nächster Schritt soll das Studium folgen, zum Teil auch in einem komplett anderem Berufszweig.

Anna Niemeyer aus Brokeloh schloss ihre Ausbildung beim Friseur „Bruns & Bruns“ in Neustadt ab, bei dem sie vorab bereits ein Praktikum absolvierte. Jetzt geht es für die 20-Jährige für ein Jahr wieder in die Schule: Sie will ihr Fachabitur im Bereich Gestaltung abschließen und dann ein Studium als Maskenbildnerin aufnehmen. Trotzdem möchte sie ihr Glück auch beim anstehenden Leistungswettbewerb auf Landesebene versuchen. Auch eine Weile auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten, kommt für sie in Frage.

Den 20-jährigen Zimmerer William Andrew Barr hat es nach seiner Ausbildung bei der Dachdeckerei und Zimmerei Reiner Gliesmann in Mariensee erstmal für drei Monate nach Brasilien verschlagen. Nach seiner Rückkehr will er einige Praktika absolvieren, allerdings nicht länger im Handwerk. Als nächsten Schritt möchte er seinen Orgel-C-Schein beenden und ein Theologie-Studium aufnehmen. Trotzdem ist er sich sicher, das Gelernte auch bei zukünftigen Projekten wieder anwenden zu können.

Lea Ludowig aus Wunstorf, ebenfalls 20 Jahre alt, schloss ihre Ausbildung als Maurerin bei dem Mandelsloher Betonbauunternehmen Geisler Bau ab. Anfang dieses Monats hat sie nun ihr Studium im Bauingenieurswesen aufgenommen. „Das war schon immer das, was ich machen wollte“, sagt sie. Trotzdem sei es genau der richtige Weg gewesen, vorher eine praktische Ausbildung abzuschließen. Ihr ehemaliger Chef habe ihr auch schon angeboten, neben dem Studium weiter im Betrieb arbeiten zu können.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 2339 vom 10.10.2018