Inhalt: Schluss im Schloss: Bibliothek packt die Bücher für den Umzug in den Leinepark

Schluss im Schloss: Bibliothek packt die Bücher für den Umzug in den Leinepark

Eine Zwischenlösung, bis das neue Domizil am Bahnhof fertig ist

  • Bibliotheksleiterin Elke König-Gerdau (li.) und ihre Mitarbeiterin Julie Beutel bereiten alles für den Umzug vor.Foto: Gade-SchnieteBibliotheksleiterin Elke König-Gerdau (li.) und ihre Mitarbeiterin Julie Beutel bereiten alles für den Umzug vor.Foto: Gade-Schniete
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Neustadt (r/dgs). Ein Kapitel Bibliotheksgeschichte geht zu Ende: Nach 39 Jahren schließt die Stadtbibliothek ihre Türen im Schloss Landestrost und zieht - zumindest vorübergehend - in das Veranstaltungszentrum Leinepark an der Suttorfer Straße um. Ihr endgültiges Domizil soll das geplante Büro- und Geschäftshaus direkt vor dem Bahnhof werden. Aber das dauert noch - mindestens bis 2020/2021.

Letzmalig am Samstag konnten sich die Leser in der Stadtbibliothek mit Lektüre, Spielen, Musik und Filmen eindecken. „Das Angebot wurde noch einmal rege genutzt“, freut sich Bibliotheksleiterin Elke König-Gerdau. Wie berichtet, soll der Gebäudeteil demnächst abgerissen werden.

Jetzt ist die Stadtbibliothek vier Wochen lang geschlossen und öffnet erst wieder Anfang November. In der Zwischenzeit läuft der Umzug in das Veranstaltungszentrum Leinepark, wo derzeit noch die letzten Umbaumaßnahmen laufen. „Dort wird ein neues Kapitel der langen Bibliotheksgeschichte aufgeschlagen“, so König-Gerdau, die seit 1991 die Leitung inne hat.

Beim Einzug 1979 in den Schlossanbau war der Bestand mit 21.000 Bänden nur knapp halb so groß wie jetzt. Die Stadtbücherei wurde zur Stadtbibliothek unbenannt. Bürgermeister Fritz Temps eröffnete das neue kulturelle Kommunikationszentrum mit Lese- und Arbeitsplätzen. Für den Umbau des damaligen Landkreisgebäudes samt Mobiliarergänzung zahlte die Stadt damals rund 167.000 DM, inklusive Mittel des Landes Niedersachsen.

Das Team um die damalige Bibliotheksleiterin Gisela Kapp organisierte in den Folgejahren viele Veranstaltungen für Groß und Klein: Lesungen mit bekannten Autoren wie Walter Kempowski, Ingeborg Drewitz, Jurek Becker oder Siegfried Lenz begeisterten die Erwachsenen ebenso wie die Kinder bei Achim Bröger, Paul Maar und Mirjam Pressler. Bilderbuchkino und Vorlesestunden gehörten damals wie heute zum alltäglichen Repertoire. „Sowohl das 125- als auch kürzlich das 150-jährige Bestehen der Bibliothek wurden mit zahlreichen Kooperationspartnern in Schloss und Schlosshof gefeiert“, erinnert König-Gerdau.

In den vergangenen vier Jahrzehnten haben sich Angebot und Nutzung der Medien stark verändert. Neben Büchern stehen natürlich Konsolenspiele, DVDs, E-Book-Reader, Hörbücher, Tiptois oder Tonies in den Regalen. Besonders stark gewachsen ist die Nutzung vor Ort: Das Lesen der Zeitungen und Zeitschriften, das Erledigen von Hausaufgaben, das Lernen und Üben der deutschen Sprache, die Recherche im Internet an den öffentlichen Computern oder am eigenen Tablet per Bibliotheks-WLAN. „Kinder erschaffen gern ihre eigene Welt mit Minecraft oder lösen die Aufgaben der Actionbound-Rallyes“, berichtet die Bibliotheksleiterin. In den vergangenen Wochen habe bereits „ein Hauch von Abschied in der Luft gelegen“, sagt sie. Viele Leser hätten ihr Bedauern über den Umzug geäußert, andere freuten sich auf das größere Parkplatzangebot am neuen Standort an der Suttorfer Straße.

Und das kostet der Umzug

Mit dem Umzug in den Leinepark ist eine innenstadtnahe Unterbringung der Stadtbibliothek gelungen. Die Kosten für den „maßvollen Umbau“ konnten auf 230.000 Euro reduziert werden. Dafür wurde nun der Bürgersaal umgestaltet und mit einer Treppe auf die Galerie ausgestattet. Die Volkshochschule Hannover Land, die ebenfalls noch im Leinepark untergebracht ist, hat darüber hinaus einen Büro- und Seminarraum an die Bibliothek abgetreten. Weil dafür Ersatz geschaffen werden muss, entstehen noch einmal Kosten in Höhe von fast 30.000 Euro.

Erhalten bleibt die Diskothek im Leinepark. Diese Räume stehen damit weiterhin für das Schützenfest zur Verfügung, wie vertraglich zugesichert. Dadurch müsse kurz- bis mittelfristig ein Zelt weniger seitens der Stadt zur Verfügung gestellt werden, heißt aus der Verwaltung. Ebenso könne die Zukunft des Veranstaltungszentrums so besser langfristig offen gehalten werden. Bekanntlich ist ein Abriss im Gespräch. dgs

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1022 vom 13.10.2018