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„Die Welt ein bisschen besser machen“

Einer von zehn: Sarwan Ali erhält ein START-Stipendium

  • Glückwünsche gab es unter anderem vom niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne (re.). Foto: (r).Glückwünsche gab es unter anderem vom niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne (re.). Foto: (r).
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Neustadt (dgs). Der 17-jährige Sarwan Ali freut sich - und ist auch ein bisschen stolz. 120 Jugendliche mit Migrationserfahrung aus ganz Niedersachsen haben sich für das Engagementförderprogramm von START beworben. Nur zehn schafften die Aufnahme, einer davon ist Sarwan Ali.

Der junge Syrer kam vor zwei Jahren mit seinem Vater und seiner Schwester nach Deutschland. Mutter und Bruder waren bereits vorher geflüchtet. „Wir mussten nicht die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer auf uns nehmen, sondern sind als Familiennachzug mit dem Flugzeug ausgereist“, berichtet er. Bis zuletzt ist Sarwan in Syrien zur Schule gegangen, obwohl in Aleppo täglich Bomben fielen. „Es war eine schwere Zeit für mich“, erinnert er sich, vor allem vermisste der damals 14-jährige Junge seine Mutter und seinen Bruder. Inzwischen ist die Familie wieder vereint und insbesondere Sarwan und seine Geschwister haben Fuß gefasst in der neuen Heimat.

Alle drei besuchen die Leine-Schule. Während sein Bruder inzwischen an den Berufsbildenden Schulen schon auf das Fachabitur zustrebt, absolviert Sarwan gerade die zehnte Klasse. Er will in jedem Fall seinen erweiterten Realschulabschluss schaffen - und dann das Abitur. „Ich möchte gern Zahnmedizin studieren“, erklärt der Schüler, der mit seiner offenen, hilfsbereiten Art überall gut ankommt. Bei einem Schulpraktikum in einer Zahnarztpraxis war das ebenfalls so. Sarwan arbeitete dort gleich so selbstständig und zuverlässig, dass seine Chefin ihm einen Ausbildungsplatz als Zahnmedizinischer Fachangestellter anbot. Auch seine Lehrer an der Leine-Schule sind sehr zufrieden mit seinen Leistungen. Vor allem aber denkt Sarwan nicht nur an sich selbst, sondern kümmert sich auch um seine ausländischen Mitschüler. „Ich versuche immer wieder sie zu motivieren“, berichtet er. Nicht alle lernen die deutsche Sprache so schnell wie Sarwan, der dazu auch noch gut Arabisch, Kurdisch und Englisch kann. Auch die türkische Sprache versteht der Syrer, wenn er sie auch nicht so gut sprechen kann.

Als er merkt, dass ein afghanischer Mitschüler keinen Ausbildungsplatz findet und sich auch nicht bei der Berufsschule angemeldet hat, ergreift er die Initiative, schaltet den Schulsozialarbeiter ein und vermittelt. Und auch im Jugendhaus am Großen Weg baut man auf Sarwan. Er hat die Jugendleiter-Card absolviert und betreut zusammen mit den Sozialarbeitern die ausländischen Jugendlichen, die in das Jugendhaus kommen.

Eine seiner Lehrerinnen war es, die Sarwan aufgrund seines Engagements für das bundesweite START-Stipendium vorgeschlagen hat. Ziel des dreijährigen, außerschulischen Förderprogramms ist es, junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu zu unterstützen. Ein erstes Kennenlerntreffen zum Bowling hat bereits stattgefunden, und Sarwan hat dem niedersächsischen Kultusminister die Hand geschüttelt. Mit 100 Euro im Monat wird der Stipendiat für die nächsten drei Jahre gefördert. Natürlich dürfe er das Geld nicht für Kleidung und Handy ausgeben, berichtet Sarwan, der leidenschaftlich gern ins Fitnessstudio geht. Auch dafür ist die finanzielle Unterstützung natürlich nicht gedacht.

START umfasst neben einem „Studium generale“ viele Bildungsangebote, die sich nach den Neigungen und Interessen der Stipendiaten richten. Ein Demokratiekongress, bei dem die Schüler in Kontakt mit Führungskräften aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft kommen, rundet das Programm ab. Die Jugendlichen sollen erfahren, wie sie wirksam Verantwortung übernehmen und selbst als Vorbilder für andere tätig werden können, heißt es dazu. „START sucht außergewöhnliche junge Menschen, die den festen Glauben in sich tragen, die Welt ein bisschen besser machen zu können“, erklärt Michael Okrob, Geschäftsführer der START-Stiftung. Die Hertie-Stiftung ist bis heute Hauptförderin des Programms. Mehr als 100 weitere Partner, Unternehmen und Privatpersonen stellen weitere Stipendien zur Verfügung.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1021 vom 06.10.2018