Inhalt: Alpha-E: Vertrauen massiv missbraucht

Alpha-E: Vertrauen massiv missbraucht

Projektbeirat deckt Planungen auf - Mitarbeit vorerst ausgesetzt

  • Sieben höhengleiche Bahnübergänge gibt es im Stadtgebiet, unter anderem an der Moordorfer Straße (Bundesstraße 442), die aufgehoben werden sollen - so zumindest der Wunsch der Stadt. Foto: Gade-SchnieteSieben höhengleiche Bahnübergänge gibt es im Stadtgebiet, unter anderem an der Moordorfer Straße (Bundesstraße 442), die aufgehoben werden sollen - so zumindest der Wunsch der Stadt. Foto: Gade-Schniete
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Neustadt (cck). Erschreckend schlechte Nachrichten für das Schienenprojekt „Alpha E“: Anfang der Woche teilte der Projektbeirat mit, die Mitarbeit an den Runden Tischen der Deutschen Bahn auszusetzen. Der Grund: Die Deutsche Bahn habe bereits seit längerem zusätzliche Gleise auf der Strecke Ashausen-Celle geplant, die weder dem Konsens für das Alpha-E aus dem Dialogforum Schiene-Nord (DSN) noch dem Bundesverkehrswegeplan (BVWP) entsprechen, sagt Dr. Peter Dörsam, Sprecher des Projektbeirates. Das Vertrauen sei deshalb massiv missbraucht worden.

Die Alpha-E-Variante sieht vor, die bestehenden Strecken im Dreieck Bremen-Hamburg-Hannover bedarfsgerecht auszubauen, um zusätzliche Kapazitäten für den Güterzugverkehr zu schaffen. In Neustadt würden, so Verkehrskoordinator Benjamin Gleue, Überholgleise eingerichtet werden, um die Blockverdichtung zu realisieren. Dies bedeutet, dass noch mehr Züge durch die Siedlungsgebiete rollen werden, als es jetzt schon der Fall ist. Aktuell sind es bereits 300 pro Tag, die Schranken sind insgesamt 14 Stunden geschlossen. Bürgermeister Uwe Sternbeck, selbst Mitglied des Beirats, forderte deshalb die Aufhebung der aktuell sieben höhengleichen Bahnübergänge im Stadtgebiet (die NZ berichtete). Bahn und Bund müssten dringend etwas tun, damit diese prekären Verkehrsverhältnisse besser werden.

Stadtsprecherin Pamela Klages spricht aufgrund der aktuellen Ereignisse von „denkbar schlechten Voraussetzungen“, um gemeinsam an einer Lösung für die Problematik der Gleisübergänge zu arbeiten. Die Verhandlungsposition gegenüber der DB sei geschwächt, da aktuell nicht mehr die Möglichkeit bestehe, Neustadts Ziele über den Projektbeirat vertreten zu lassen. Der Beirat erwartet jetzt vertrauensbildende Maßnahmen und klare Bekenntnisse von Bund und Bahn zum Alpha-E, wie es im Bürgerdialog erarbeitet und im Abschlussdokument des DSN festgeschrieben wurde. „Nur unter diesen Voraussetzungen können eine weitere Planung und Realisierung des Alpha-E überhaupt wieder möglich werden“, so Dörsam. Seiner Meinung nach ist es absolut inakzeptabel, nur als Feigenblatt genutzt zu werden. Trotzdem wolle man an einer gemeinsamen Lösung arbeiten und das Gespräch mit Vertretern der DB suchen, um das Projekt nicht zum Scheitern zu verurteilen.

Die Entscheidung des Projektbeirats die Mitarbeit vorerst auszusetzen, wollte die DB nicht kommentieren. Das Ergebnis des Dialogforums Schiene werde allerdings nicht in Frage gestellt. „Zur Zeit wird exakt die im Bedarfsplan des Bundes verankerte Variante beplant“, sagte ein Bahnsprecher auf Anfrage der Neustädter Zeitung. Hoffnung der Stadt ist, dass das Bundesverkehrsministerium sich auf dem Statustreffen am 30. November klar zu den im Abschlussdokument des DSN und damit dem Ergebnis breiter Bürgerbeteiligung bekennt. „Damit würde den betroffenen Kommunen und ihren Bürgerinnen und Bürgern der Rücken gestärkt werden, um künftig auf Augenhöhe mit der Deutschen Bahn AG zu beraten“, lautet Sternbecks Statement.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1021 vom 06.10.2018