Inhalt: Das Tierreich gewinnt, die Schifffahrt verliert

Das Tierreich gewinnt, die Schifffahrt verliert

Pegel am Steinhuder Meer sinkt weiter - „Watt“ bietet neuen Lebensraum

  • An manchen Stellen gleicht das Steinhuder Meer fast einem Wattenmeer. Der abgelagerte Schlamm, der für die Schifffahrt fatal ist, bietet wiederum neuen Lebensraum für verschiedene Vogelarten.An manchen Stellen gleicht das Steinhuder Meer fast einem Wattenmeer. Der abgelagerte Schlamm, der für die Schifffahrt fatal ist, bietet wiederum neuen Lebensraum für verschiedene Vogelarten.
  • Sandbänke gibt es zu Hauf am Ostufer. Fotos: (r).Sandbänke gibt es zu Hauf am Ostufer. Fotos: (r).
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Mardorf/Steinhude (cck). 20 Zentimeter niedriger ist der Pegelstand, gemessen auf der Inselfestung Wilhelmstein, als im Vorjahr. Auf einem Lineal mag das nicht viel sein, doch ist die Lage am Steinhuder Meer angespannt: Im Sommer lag der Pegelstand bei 95 Zentimetern - das waren 52 weniger, als im Frühjahr. Es bilden sich immer mehr Sandbänke, auch der abgelagerte Schlamm wird zum Problem.

„Inzwischen lagert er sich in allen Bereichen des Meeres ab“, ärgert sich Stefan Ibold von der Wettfahrvereinigung Steinhuder Meer (WVStM). Bemerkbar mache sich das vor allem bei der Wasserrettung: Auf Grund gelaufene Boote müssten befreit werden. Auch die Rettungsboote müssten bereits in Bereiche überführt werden, in denen die gesicherte Möglichkeit besteht, aus dem Hafen zu einem Havaristen zu gelangen. Seine Befürchtung: Bei weiter sinkenden Pegelständen könne nur noch mit Schlauchbooten mit geringerem Tiefgang die Sicherung gewährleistet werden.

Bei den Regatten, die über die WVStM ausgerichtet werden, hätte man noch Glück: Die Veranstaltungen, bei denen Boote mit einem Tiefgang von mehr als 0,9 Metern teilnehmen, sind in den nächsten Wochen abgeschlossen. Auch die Ausflugsboote der Steinhuder Personenschifffahrt - die sogenannten Auswanderer - könnten noch ihre gewohnten Routen fahren, wie der Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Hartmann mitteilt. Trotzdem seien die aktuellen Umstände eine Herausforderung.

Eine Herausforderung waren die niedrigen Pegelstände in Kombination mit den heißen Temperaturen im Sommer auch für so manche Tierart. Im Vorjahr fiel deutlich mehr Regen, so konnten sich unterschiedliche Arten auch auf andere Gewässer ausbreiten. Anders in diesem Jahr: Manche Fische, als Beispiel nennt Thomas Brandt von der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer den sogenannten Stichling, kommen im Steinhuder Meer weniger vor. „Es gibt immer einen Gewinner und einen Verlierer“, sagt er. So bieten die aktuellen Bedingungen wiederum einen idealen Lebensraum für andere Tierarten. Donnerstagvormittag konnte er 22 Watvogelarten am Ostufer beobachten, erzählt der Biologe.

Nach Auffassung der Wettfahrvereinigung und der ihr angeschlossenen Vereine müssen Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden, die eine nachhaltige Erhaltung des Steinhuder Meers zur Folge haben. „Die Gemeinsamkeiten von Tier und Mensch müssen berücksichtigt werden“, sagt Ibold. Wie diese Sanierungsmaßnahmen aussehen könnten, ist allerdings unklar. Bereits in den 80er und 90er Jahren zog das Land Niedersachsen verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Einspundung, in Betracht. Doch wurden diese aufgrund von Kostengründen verworfen.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 1018 vom 15.09.2018