Inhalt: "Kadaver vor den Landtag werfen"

"Kadaver vor den Landtag werfen"

Schafhalter sauer nach vermutlichem Wolfsriss

  • Ein Schaf wurde komplett ausgeweidet, ein weiteres durch eine Kehlbiss getötet und angefressen. Schafbesitzer Ingo Spreckelsen  ist sauer.  Foto: SeitzEin Schaf wurde komplett ausgeweidet, ein weiteres durch eine Kehlbiss getötet und angefressen. Schafbesitzer Ingo Spreckelsen ist sauer. Foto: Seitz
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Borstel (os). Ingo Spreckelsen kann seine Wut nur schwer zügeln: „Streunende Hunde werden erschossen, aber vor diesen Bestien schützt einen keiner“, sagt der Borsteler. Kurz vorher hatte er vor den Kadavern seiner beiden Schafe gekniet. Eines der Tiere liegt fast komplett aufgefressen auf einem Grundstück am Wirtschaftsweg „Trift“, übrig geblieben sind nur Fell, Gedärme und Knochen. Das zweite Schaf wurde lediglich an drei Stellen angefressen, aber offensichtlich ebenfalls mit einem Biss in die Kehle gerissen.

Auch wenn der Wolfsberater erst am Dienstagmittag kommen sollte, hatte Spreckelsen keine Zweifel, welchem Raubtier er die beiden toten Schafe zu verdanken hat. Auch Jäger, die sich die Überreste ansahen, gehen von einem Wolf als Urheber aus. Seit rund einem Jahr registrieren sie immer wieder Rehreste, die das für den zurückgekehrten Räuber typische Bild zeigen. Noch am Montagabend hatte der Schafhalter mit Jägern gesprochen, die wenige Meter weiter an einem Maisfeld auf Wildschweine ansaßen. „Da habe ich noch gesagt, bisher ist ja alles ruhig“, so Spreckelsen.

Schon gut 25 Jahre hält er Schafe, lange Zeit hielten sie die Gräser in seiner Tannenschonung auf ökologische Weise kurz, mittlerweile zieht er keine Weihnachtsbäume mehr und die Tiere grasten das Grundstück ab.

Hoffnung auf eine Entschädigung macht sich der Borsteler kaum, zwar hat er einen rund 1,20 Meter hohen Zaun mit Stacheldraht am oberen Ende, es scheint jedoch als ob ein Wolf - oder Wölfe - sich an einem Baum unter der Einfriedung durchgezwängt haben. Unweit der Stelle wurde auch am unteren Zaunrand gegraben, das brachte aber scheinbar nicht den gewünschten Erfolg. Wolfssicher im Sinne der Vorschriften ist die Umzäunung nicht, nur dann werden Viehhalter aber bei Rissen auch entschädigt (wir berichteten). Letztlich muss nun zunächst eine DNA-Probe klären, ob tatsächlich ein Wolf die Schafe tötete.

In seiner ersten Wut hätte Ingo Spreckelsen die Kadaver am liebsten eingepackt und in Hannover vor den Landtag geworfen. „Dann sehen die Schreibtischtäter mal, wie das aussieht“, sagt er. Mehrere andere Tierhalter im Ort wurden zwischenzeitlich gewarnt, erste haben Pferde und Schafe von den Weiden geholt.

Viele Wolfsrisse in Steimbke -

Minister spricht von möglicher Entnahme

Im Bereich der Samtgemeinde Steimbke - Wenden, Stöckse, Wendenborstel und Lichtenhorst - werden aktuell immer wieder Wolfsrisse gemeldet - und auch bestätigt, teilweise dicht an bewohnten Häusern. In den ersten drei Augustwochen wurden mindestens neun Schafe, eine Ziege und drei Rinder gerissen.

Der Nienburger Landtagsabgeordnete Frank Schmädeke hatte daraufhin mit Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies über das „Rodewalder Wolf“ genannte Tier gesprochen, wie die Harke berichtet. Der Minister habe vor allem mit Blick auf den Riss in einem Stall von einer klar überschrittenen Grenze gesprochen, wird der Abgeordnete zitiert. Sollte dieser Fall durch eine DNA-Probe bestätigt werden, müssten der Wolf und das Rudel „entnommen“ werden. So, wie im April 2016 schon „Problemwolf „Kurti“, er war der erste legal getötete Wolf seit der Wiedereinwanderung der Raubtiere. „Wir fordern vom Minister klar durchzugreifen und die Menschen vor solchen Wölfen zu schützen“, so der örtliche CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Lechner.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 2335 vom 12.09.2018