Inhalt: Aktionsbündnis fordert aktives Wolfsmanagement

Aktionsbündnis fordert aktives Wolfsmanagement

Verbände und Weidetierhalter mit Mahnfeuer

  • Der Vorsitzende des Landvolks Hannover, Volker Hahn, spricht zu den Teilnehmern am Mahnfeuer „Wolf“ in Schneeren. Foto: TautenhahnDer Vorsitzende des Landvolks Hannover, Volker Hahn, spricht zu den Teilnehmern am Mahnfeuer „Wolf“ in Schneeren. Foto: Tautenhahn
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Schneeren (tau). Mit einem landesweiten Aktionstag haben am Samstagabend Verbände und Weidetierhalter auf die Bedrohung durch den Wolf aufmerksam gemacht. Eines von zwei Mahnfeuern in der Region fand auf einer Ackerfläche am Schneerener Krug statt. „Die Weidetierhaltung in Niedersachsen hat Tradition und ist gesellschaftlich gewollt, aber die Ausbreitung des Wolfes steht dem ganz offensichtlich entgegen und stellt die Weidehaltung zunehmend in Frage“, so die Einschätzung des Landvolks Hannover. Dessen Vorsitzender Volker Hahn fordert die Einführung eines echten Wolfbestandsmanagements in Niedersachsen und auf Bundesebene. „Wir akzeptieren, dass der Wolf als Teil der Natur da ist, nur wächst die Population rasant. Das kann auf Dauer nicht gutgehen“, so Hahn. Er verweist unter anderem auf den Fall eines Wolfsrisses in Großenheidorn vor rund einem Jahr. Damals ist ein Kalb auf dem Biolandhof Peters am helllichten Tag durch einen Wolf getötet worden.

Dieser Fall zeige, so Hahn, dass der Wolf keine Scheu davor habe, auch in dichtbesiedelten Gebieten auf die Jagd zu gehen. Den besonders auffälligen Exemplaren müssten daher Grenzen aufgezeigt werden, am besten durch ein aktives Wolfsmanagement, das auch den Abschuss von Tieren erlaubt. Dazu müsste die Politik aber erst einmal festlegen, welche Populationsgröße verträglich ist. Derzeit streifen rund 150 Wölfe durch die deutschen Wälder. Zu viel, wie das Aktionsbündnis meint. Zwischen 2013 und 2017 habe sich die Zahl der Wolfsrisse von 13 auf zuletzt 144 mehr als verzehnfacht. Der NABU sieht das wiederum anders. Der Naturschutzbund hält rund 1.000 erwachsene Wölfe in ganz Deutschland für erforderlich, damit die Art sicher erhalten werden könne.

Die Weidetierhalter fordern außerdem eine Umkehr der Beweislast. Entschädigungen müssten zudem zeitnah erfolgen und nicht erst nach mehreren Monaten. Über das Wochenende scheinen die Proteste Gehör gefunden zu haben. So hat Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) inzwischen erklärt, dass sie Abschüsse von Wölfen für notwendig erachtet. Innerhalb der großen Koalition scheint es da auch Konsens zu geben. So hatte Umweltminister Olaf Lies (SPD) bereits im März erklärt, sich eine Abschuss-Quote, wie es sie in Frankreich gibt, vorstellen zu können.

Grundsätzlich lasse allerdings das europäische Recht eine Bejagung des Wolfs derzeit nicht zu. Darauf wies auch der Landtagsabgeordnete Sebastian Lechner (CDU) in Schneeren hin. „Wir müssen deshalb auf europäischer Ebene weiter dafür werben, dass die strengen Schutzstandards ein Stück weit der Realität angepasst werden“, so Lechner. Das ganze Thema sei ein kompliziertes Geflecht. „Da werden wir noch eine Menge dicker Bretter bohren müssen“, meint Lechner.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 2318 vom 16.05.2018