Inhalt: „Da wird geklagt, bis der Arzt kommt“

„Da wird geklagt, bis der Arzt kommt“

Oberleitungen könnten für weitere Mehrkosten für Bahnquerung sorgen

  • Brückenbau-Spezialist Conrad Vinken gab den aktuellen Stand in Sachen Beseitigung der höhengleichen Bahnübergänge im Ortsrat vor. Mancher mochte kaum hinsehen.  Foto: SeitzBrückenbau-Spezialist Conrad Vinken gab den aktuellen Stand in Sachen Beseitigung der höhengleichen Bahnübergänge im Ortsrat vor. Mancher mochte kaum hinsehen. Foto: Seitz
  • Bei den drei südlichen Varianten, die noch im Rennen sind, käme der Verkehr auf der ganzen Länge über die Wunstorfer Straße nach Neustadt. „Mitte 2“ - von vielen favorisiert - dürfte nach aktuellem Stand scheitern, weil der Abfahrtbogen weit in ein Feuchtgebiet östlich der jetzigen K 333 ragen müsste. Die nördliche Lösung kommt aus verkehrsplanerischen Gründen nicht in Frage. Grafik: Region HannoverBei den drei südlichen Varianten, die noch im Rennen sind, käme der Verkehr auf der ganzen Länge über die Wunstorfer Straße nach Neustadt. „Mitte 2“ - von vielen favorisiert - dürfte nach aktuellem Stand scheitern, weil der Abfahrtbogen weit in ein Feuchtgebiet östlich der jetzigen K 333 ragen müsste. Die nördliche Lösung kommt aus verkehrsplanerischen Gründen nicht in Frage. Grafik: Region Hannover
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Poggenhagen (os). „Schlechte Nachrichten“ hatte Conrad Vinken, Brückenbau-Spezialist und Leiter des entsprechenden Teams bei der Region Hannover, im Bezug auf die Beseitigung der Schranken an der Moordorfer Straße und am Bahnhof zu überbringen. In der Ortsratssitzung am Mittwoch berichtete er, dass die Bahn AG im Oktober mitgeteilt habe, wegen der „historischen“ Oberleitungsaufhängung im Bereich Poggenhagen sei eine Brückenhöhe von 11,50 Meter nötig. Das hätte Auswirkungen auf Baukosten und benötigten Platz. Sollten die Oberleitungen umgebaut werden, reichen 8,50 Meter für die Brücke, der Umbau soll aber rund 6,5 Millionen Euro zusätzlich kosten. Jetzt soll geklärt werden, ob die ohnehin irgendwann nötigen Arbeiten finanziell dem Brückenbau zugeordnet werden oder nicht.

Das ist insofern bedeutungsvoll, als aus planrechtlichen Gründen derzeit auch eine Trogstrecke nahe der Bahnhofsstraße als „Variante Süd 1“ mitbetrachtet werden muss, weil es dafür in den 90er Jahren schon ein Planfeststellungsverfahren gab. Mit den Oberleitungs-Millionen nähern sich die Preise stark an. Eine hohe Verkehrsbelastung der Fliegerstraße im bebauten Bereich wäre aber ein klarer Nachteil dieser Lösung. Der trifft auch auf „Süd 3“ zu, eine Brücke nördlich des Bahnhofs, die wie der Trog erst nach der „Dewitz-von-Woyna-Straße“ nach links von der Fliegerstraße abschwenken würde.

Vinken favorisiert derzeit die „Variante Süd 2“, eine Brücke, die etwa mittig zwischen Rigips-Gelände und Fliegerstraße die Schienen queren würde. Weil die Zufahrt von der Fliegerstraße her dicht an der Siedlung „Kieferhain“ vorbeiführt, kündigten dortige Bewohner in der Ortsratssitzung wegen des zu erwartenden Lärms bereits Widerstand an.

Solche Ankündigungen gab es erneut auch aus dem Hachland. Das Wohnquartier an der Wunstorfer Straße in der Kernstadt bekäme durch die Verlegung der Bundesstraße 442 und die Fahrzeuge, die über die neue Brücke kämen, deutlich mehr Verkehr vor die Haustüren. „Da wird geklagt, bis der Arzt kommt“, ließ einer von ihnen die rund 100 Zuhörer der Sitzung wissen. „Am besten lassen wir einfach die beiden Schranken“, entgegnete eine Poggenhagenerin sarkastisch.

Das ist für die Initiative „Schranke weg“ aber ebenso keine Alternative wie für den Ortsrat und zahllose Nutzer der Bahnübergänge. „Die Situation führt tagtäglich zu katastrophalen Zuständen, nicht nur wegen der oft an der Schranke wartenden Rettungswagen“, sagt „Schranke weg“-Sprecher Ulrich Thies. Ihm tun auch die Hachland-Bewohner leid, „aber allen wird man es nicht recht machen können.“

Den Trog am Bahnhof hält er „für einen Wahnsinn“, ärgert sich zudem, dass die Betrachtung dieser Variante zusätzliche Zeit benötigt. Ob das Bauwerk - welches letztlich auch immer - damit wirklich verzögert wird, ist für Brücken-Experten Vinken noch fraglich. „Wir untersuchen jetzt alles, um dann einen rechtlich sicheren Plan für die Vorzugsvariante zu haben“, sagte er im Ortsrat. Damit könnten Klagen später deutlich geringere Chancen auf Erfolg haben. Ob der Arzt kommt oder nicht.

So geht es weiter ...

Bis spätestens Juli 2018 soll nach Lärmschutzuntersuchung und weiteren Gutachten feststehen, welche Variante den Vorzug erhält.

Dann wird deren Planung verfeinert und Anfang 2019 die Planfeststellung dazu begonnen. Ende 2020 oder zu Beginn des Folgejahres könnte dann die gut einjährige Bauphase beginnen.

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 977 vom 02.12.2017