Inhalt: Der Nachdruck läuft schon

Der Nachdruck läuft schon

Berechtigungsscheine sehr gefragt - Gewerbetreibende monieren Umwege

Neustadt (os). Die Berechtigungsscheine für die Durchfahrt in Garten- und Wiesenstraße sowie über den Ziegeleiberg erfreuen sich großer Nachfrage. Stadtsprecherin Carmen Rigbers berichtet von Schlange stehen beim zuständigen Sachbearbeiter. Außerdem ist bereits die zweite Auflage beauftragt. Bis Montagmittag waren bereits rund 850 Ausweise ausgegeben. Gerüchte, mancher habe „für Nachbarn“ zehn Scheine auf einmal abgeholt, wollte Rigbers nicht bestätigen, gestand auf Nachfrage aber zu, dass zwar kontrolliert werde, „aber nicht sehr streng.“ Sie geht von mehr als 1.000 Berechtigungen aus, die letztlich ausgegeben werden. Dabei kämen bei zwei Fahrten täglich dann im Vergleich zum achttägigen Messzeitraum auch 16.000 Fahrten heraus, Post-, Abfall- und Rettungsfahrzeuge nicht eingerechnet. Ob die rund 1.250 Fahrten weniger pro Tag den Aufwand rechtfertigen, bezweifeln viele Neustädter.

Zu den Kritikern der Regelung gehören besonders auch zahlreiche Gewerbetreibende aus dem Gewerbegebiet Ost. Stark betroffen ist auch das Famila-Warenhaus. „Mittags können wir fast zumachen“, sagt Leiter Sascha Görbitz. Auch wenn er zugibt, dass das leicht übertrieben ist, geben seine Umsatzzahlen Anlass zur Sorge. „Wir haben sonst immer den Montag als sehr starken Tag, nachdem in der vergangenen Woche die Regelung mit den Berechtigungsscheinen bekannt gemacht wurde, nahmen die seit Baustellenbeginn ohnehin schon nicht guten Zahlen am vergangenen Montag noch deutlich weiter ab. Er hat der Stadtverwaltung auch schon geschrieben und auf die Situation aufmerksam gemacht, bisher aber keine Antwort erhalten. Wie Görbitz klagen auch weitere Händler oder Dienstleister über Umsatzrückgänge und finanzielle Einbußen. „Wir haben zusätzlich Leihwagen angemeldet und bieten auch bei kleinen Aufträgen einen Abhol- und Bringservice, aber selbst das nützt wenig“, sagt Maria Cannizzo. Manche Kunden stornieren sogar langfristige Termine, weil ihnen der größere zeitliche Aufwand zu viel ist, sagt die Fahrzeugpflege-Dienstleisterin. So sieht das auch Karl-Heinz Kaps: „Wir müssen uns die Arbeit schon ranholen.“

Ihn ärgert auch, „dass auf der Baustelle oft keine Arbeiter zu sehen sind und es scheinbar gar nicht vorangeht.“ Eine Beschleunigung der Arbeiten wäre auch im Sinne von Sascha Görbitz.

Viele Umwege - Werkstatt geht leer aus

"Unsere Werkstatt können wir überhaupt nicht mehr erreichen", sagt Containerdienst-Unternehmer Hartmut Wagner. Normalerweise lässt er seine Fahrzeuge bei der Firma Deutschmann an der Hannoverschen Straße warten und reparieren, die kann derzeit aber nicht angefahren werden. Die Straße ist nur über die B 6 zu erreichen, dort dürfen seine LKW aber die Leine-Brücke nicht passieren, fahren stattdessen nach Nienburg oder Hannover in die Werkstatt.„Ein Umweg mehr“, ärgert er sich. „Wenn wir westlich der Leine in der Kernstadt Container liefern oder abholen, fallen jetzt mindestens 16 Kilometer Umweg an“, sagt er. Ein Kunde in der Leinstraße wäre auf direktem Weg mit rund zwei Kilometern erreichbar, stattdessen führt die Fahrt über Bordenau oder Suttorf, Basse und Empede. „Das nimmt sich alles nichts“, sagt der Unternehmer. „Was das an Zeit und damit auch an Geld kostet, ist auf die Dauer schon erheblich.“

Seite drucken DruckenSeite teilen Teilen Ausgabe-Nr. 2282 vom 30.08.2017