Inhalt: Erst Dioxin, dann Antibiotika und jetzt multiresistente Keime
Erst Dioxin, dann Antibiotika und jetzt multiresistente Keime
Hähnchenmast: Bürgerinitiative besorgt über Bodenproben
Neustadt/Metel (dgs). „Eigentlich bin ich immer noch fassungslos“, erklärt Friedrich Ehlers. Der Meteler ist Vorsitzender von „AMIGO“, der Bürgerinitiative gegen den Hähnchenmastbetrieb am Ortseingang Metel. Nach Dioxin im Futter und Antibiotika im Fleisch berichtete die ZDF-Sendung „Zoom“ unter dem Titel „Tödliche Keime aus der Massentierhaltung“ am Mittwochabend über multiresistente Keime, die Umweltschützer in der Nähe der Meteler Geflügelmastanlage gefunden haben.
„Ich habe die Dorfbewohner noch im Eilverfahren mit einem Flyer über die Sendung informiert“, sagt Ehlers. Aber wie es nun weitergehen soll, weiß er selbst noch nicht. Wie in der Sendung berichtet, sind in bis zu 400 Metern Entfernung zur Mastanlage Keime festgestellt worden - und das in der Hauptwindrichtung, also in Richtung Dorf. „Mist und Gülle aus der Anlage werden rund um das Dorf herum ausgetragen“, zeigt sich Ehlers besorgt. Im 400-Meter-Radius liegen der Friedhof, ein Kinderspielplatz, eine Schlachterei.
Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hat die Stichproben gemeinsam mit der örtlichen Bürgerinitiative, dem Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ und dem ZDF genommen. Dabei wurden in drei von zwölf Proben sogenannte ESBL-bildende E.coli-Bakterien nachgewiesen. Der BUND bewertet die Funde als besorgniserregend, da auch dieser Keim ein Enzym gegen verschiedene Antibiotika ausgebildet hat. Eingetragen in Gärten, könnten sie über Rohkost wie Karotten oder Salate in die Nahrungskette gelangen, befürchten Experten
„Wir wollen nicht die Betreiber von Mastställen vorführen“, betont Tilman Uhlenhaut, BUND-Agrarreferent. Vielmehr müssten Land und Bund endlich handeln und neue Richtlinien erlassen und wirksame Filteranlagen in Ställen vorschreiben.
Der Fernsehbericht sei für die Region Hannover Anlass, das Thema noch einmal stärker in den Fokus zu nehmen. Die Region verfolgem die Diskussion über mögliche Gefahren durch Keimbelastungen seit Jahren. „Allerdings haben diese Diskussionen bislang nicht dazu geführt, dass Vorschriften oder Gesetze zu diesem Punkt angepasst werden“, sagt Regionssprecherin Christina Kreutz. Als Genehmigungsbehörde für solche Mastanlagen müsse die Region nach der vorliegenden Gesetzeslage handeln. Und die sehe einen verpflichtenden Einbau von Filteranlagen nicht vor. „Uns sind in dem Punkt die Hände gebunden, solange es dazu keine gesetzlichen Vorgaben von Land oder Bund gibt“, bedauert Kreutz. Wenn Landwirte Filteranlagen einbauen, sei dies eine freiwillige Leistung.
Der betroffene Landwirt aus Metel wollte auf Nachfrage der NZ keinen Kommentar zu den Untersuchungsergebnissen abgeben. Übrigens: Maximal zehn Cent verdient ein Mäster an einem Hähnchen.







